Johannes Gillar, Redakteur elektro AUTOMATION
1. Verschiedene Namen oder verschiedene Ansätze 2. Nur ein Gründungsmitglied ist Maschinenbauer 3. Unternehmen arbeiten weltweit zusammen 4. Grundstimmung ist positiv 5. Kontakt 6. Serie Industrie 4.0 international
Gestartet als Initiative der deutschen Bundesregierung und Industrie ist es mittlerweile das globale Thema schlechthin. Die Rede ist von Industrie 4.0. Nicht überall wird das – zugegeben clevere – deutsche Schlagwort verwendet, doch weltweit hat man das Potenzial einer vernetzen Industrie erkannt. Beeindruckender Beleg für die Internationalität des Themas ist die Hannover Messe. Diese hat Industrie 4.0 bereits seit einigen Jahren im Fokus und auch 2016 beschäftigt sie sich unter dem Leitthema „Integrated Industry – Discover Solutions“ damit. Unter diesem Motto will man Technologien für die Digitalisierung von Fabriken und Energiesystemen zeigen. Anderes als in den Jahren zuvor soll diesmal allerdings die Praxis die Theorie verdrängen. Messechef Dr. Jochen Köckler erwartet „erstmals mehr als 100 konkrete Anwendungsbeispiele für Industrie 4.0 auf der Messe“. Was könnte da passender sein, als ein Partnerland USA, deren Präsident Barack Obama die Vereinigten Staaten in Hannover als wichtigen Anbieter von Industrie-4.0-Technologien positionieren wird. Denn neben Deutschland zählen die Amerikaner zu den Hauptreibern der industriellen Digitalisierung.
Verschiedene Namen oder verschiedene Ansätze
Das Thema ist also wichtig – da sind sich die Experten einig. Doch gibt es weltweit tatsächlich einen gemeinsamen Nenner in Sachen Industrie 4.0? Während die Deutschen über Industrie 4.0 reden, nennen es die Franzosen „Usine du futur“, die Chinesen haben ihr Programm „Made in China 2025“, in Japan spricht man von einer „Industrial Value Chain Initiative“ und die USA verwenden gleich mehrere Begriffe wie „Internet of Things“ (IoT), „Smart Manufacturing“ oder „Factories of the Future“ und haben die entsprechenden Programme und Initiativen wie das Industrial Internet Consortium (IIC). Die Frage die sich dabei stellt, ist, handelt es sich hier einfach um verschiedene Bezeichnungen für die gleiche Sache oder unterscheiden sich die Ansätze voneinander? Beschäftigen wir uns zuerst mit dem diesjährigen Partnerland der Hannover Messe.
„Der rein technologische Aspekt von IoT wird in den US-Industriegremien sicherlich ähnlich dem von Industrie 4.0 aufgefasst“, meint Siegfried Schwering, Business Development Manager bei Schneider Electric Deutschland. Allerdings beziehe Industrie 4.0 in Deutschland ein wesentlich breiteres Spektrum ein, bei dem auch politische Belange eine entscheidende Rolle spielen. So beschäftigt sich Industrie 4.0 laut Schwering auch mit der einhergehenden Veränderung des Arbeitsmarktes und den rechtlichen Fragen. Für seinen Kollegen Dr. Bernhard Quendt, CTO der Siemens-Division Digital Factory in Nürnberg, besteht der Unterschied darin, dass die deutsche Plattform Industrie 4.0 den Schwerpunkt auf die Digitalisierung der produzierenden Industrie als Teil des Internet of the Things legt, „während das IIC weiter und allgemeiner gefasst ist, etwa auch die Branchen Medizin, Energie und Verkehrswesen adressiert“. In Deutschland werde das Thema vor allem durch Regierung und Verbände getrieben. Die deutsche Bundesregierung fördert laut Quendt Industrie 4.0 aktiv, unter anderem mit Projekten zu Autonomie, Produktionstechnologien, Smart Data/Smart Services oder IT Security. „In diesen für die Digitalisierung entscheidenden Themen besteht nach wie vor hoher Forschungsbedarf. Die Anstrengungen zur Stärkung von Forschung und Innovation dürfen daher nicht nachlassen, damit Deutschland und Europa nicht hinter andere Regionen zurückfallen“, verdeutlicht der Siemens-Manager. In den USA werde das Thema dagegen vor allem durch Konsortien von Firmen getrieben, wie dem IIC oder der Smart Manufacturing Leadership Coalition.





