Erik Halthen ist Security Systems Manager für Industrie-Lösungen bei Analog Devices in Tampa/FL/USA
Industrie 4.0 kann unter anderem die völlige Umgestaltung einer Fabrik erfordern, um einen höheren Grad an Autonomie und Individualisierung zu erreichen, dadurch die Gesamtbetriebskosten zu senken und den Kunden einen Mehrwert zu bieten. Ebenso kann Industrie 4.0 bedeuten, dass die Zulieferer von Systemen und Subsystemen die Fabrikanlagen intelligenter machen, um Echtzeit-Entscheidungen zu fällen, und dass es zu einer autonomen Interaktion von Fertigungszellen innerhalb größerer, mehrzelliger Systeme und über mehrere Standorte hinweg kommt. Abhängig davon, was im Einzelnen mit dem Einsatz von Industrie-4.0-Lösungen angestrebt wird, richtet sich die Strategie für den Einsatz dieser Lösungen danach, an welcher Stelle der Wertschöpfungskette und wie tief sie integriert werden.
Die Digitalisierung der Fabrik betrifft die gesamte Wertschöpfungskette und wirkt sich unmittelbar auf den Umsatz und den Ertrag eines Unternehmens aus. Am häufigsten diskutiert wird jedoch die Innovation, mit deren Hilfe neue Umsatzmöglichkeiten erschlossen werden, gleich ob sich diese als Produkte, Dienstleistungen oder als eine Kombination aus beiden manifestieren. Die digitale Produktion, die Verwendung von Verarbeitungsverfahren und Datenauswertungen an der Edge verlangen nach neuenProduktinnovationen, während die Sammlung an Metadaten in neuen Services resultiert, die die Steuerung, Instandhaltung und Nutzung optimieren. Auf der anderen Seite sind Kostensenkungs-Initiativen darauf fokussiert, die Effizienz der Lieferkette zu verbessern und die betriebliche Leistungsfähigkeit zu optimieren. Diese Verbesserungen wiederum erfordern die Verwendung fähigerer Produkte und Services in der eigenen Fabrik. Die Verwendung neuer Produktinnovationen ist die Voraussetzung dafür, dass sich die Vorteile der Industrie 4.0 unter dem Strich auszahlen. Abhängig davon, wie man Industrie-4.0-Lösungen nutzen will, muss sich auch die Cybersecurity-Strategie ändern, um eine erfolgreiche Verwendung und Skalierung digitaler Lösungen in der Fabrik zu gewährleisten.
Einfluss auf die Cybersecurity-Strategie hat auch die Integrationstiefe digitaler Lösungen an der Edge des industriellen Regelkreises. Die traditionelle industrielle Automatisierungs-Architektur ist höchst ungleichartig und beruht darauf, die Steuerung der Feldgeräte von den übrigen Informationssystemen, Services und Anwendungen der Fabrik zu trennen, um vor Cybersecurity-Bedrohungen geschützt zu sein. Bei den eigentlichen Feldgeräten handelt es sich meist um Punkt-zu-Punkt-Lösungen mit sehr begrenztem Datenaustausch und Edge Processing, sodass die von einem Gerät für das System insgesamt ausgehende Cybersecurity-Bedrohung überschaubar ist. Das Aufbrechen dieser typischen Architektur ist keine einfache Aufgabe und muss stufenweise erfolgen. Aggressive Nutzer von Industrie-4.0-Lösungen müssen zunächst festlegen, wie tief sie die neue Technik in die Fabrik einbinden wollen, um daraufhin eine Cybersecurity-Strategie voranzutreiben, die die Umsetzung der angestrebten Ziele ermöglicht.





