Muting bezeichnet das definierte, temporäre Überbrücken von Schutzeinrichtungen – typischerweise Sicherheitslichtgitter – um Materialflüsse durch Schutzfelder hindurch zu ermöglichen, ohne die Anlage zu stoppen. Gängige Varianten sind das Kreuz-Muting mit vier diagonalen Sensoren und das sequenzielle Muting mit zwei hintereinander angeordneten Sensoren. Sicherheitstechnisch sind diese Funktionen bis SIL3 nach IEC 62061 und PLe nach ISO 13849-1 realisierbar – das sind die höchsten Stufen der funktionalen Sicherheit für Maschinenapplikationen.
Bihl+Wiedemann stellt mit dem ASi-5 Safety Muting Modul eine Lösung vor, die sämtliche für Kreuz- oder sequenzielles Muting erforderlichen Ein- und Ausgangssignale unter einer einzigen AS-Interface-5-Adresse zusammenfasst. Das reduziert den Adressraum im ASi-Netzwerk und vereinfacht die Projektierung erheblich. AS-Interface (ASi) ist ein etabliertes, zweidrahtbasiertes Feldbussystem für die unterste Feldebene, das Sensor- und Aktorebene mit übergeordneten Steuerungen verbindet.
Ein wesentliches Merkmal ist die Herstellerunabhängigkeit: Das Modul lässt sich mit Sicherheitslichtgittern beliebiger Hersteller kombinieren. Das ist praxisrelevant, da viele Anwender im Laufe des Maschinenlebenszyklus auf Ersatz- oder Alternativprodukte angewiesen sind – etwa wenn ein bisher eingesetztes hersteller-proprietäres Muting-Modul abgekündigt wird. In solchen Fällen kann das ASi-5-Modul laut Hersteller als direkter Ersatz positioniert werden.
Ungenutzte Anschlussbuchsen – beispielsweise beim Kreuz-Muting, das mit nur zwei statt vier Muting-Sensoren betrieben wird – stellt das Modul als selbstkonfigurierende Standard-E/A-Kanäle bereit. Darüber lassen sich Muting-Lampen ansteuern, Motoren schalten oder Tastermodule einbinden, ohne zusätzliche ASi-Teilnehmer einzuplanen.
Hinsichtlich der Safety-Protokoll-Integration unterstützt das Modul neben dem direkten Anschluss an einen Bihl+Wiedemann Safety Monitor auch die Übergabe aller sicherheitsrelevanten Signale über gängige Safety-over-Fieldbus-Protokolle: PROFIsafe, CIP Safety, FSoE (Fail Safe over EtherCAT) sowie openSAFETY. Damit ist die Einbindung in Steuerungsumgebungen auf Basis von Siemens PROFINET, Rockwell EtherNet/IP, Beckhoff EtherCAT oder B&R-Systemen möglich.
Kostenvergleiche gegenüber Ethernet-basierten Muting-Lösungen nennt Bihl+Wiedemann als zentrales Argument. AS-Interface arbeitet mit ungeschirmtem Zweidraht-Flachkabel, das gleichzeitig Daten und Hilfsenergie führt. Laut Hersteller lassen sich gegenüber konventionellen Rundkabellösungen bis zu 70 Prozent der Verdrahtungskosten einsparen – ein Wert, der in der Praxis stark vom Anlagenumfang und der Feldgeräteanzahl abhängt, aber auf den reduzierten Installationsaufwand durch den Wegfall separater Signalkabel zurückzuführen ist.
Die Parametrierung erfolgt über die Bihl+Wiedemann Software Suite. Fertig zertifizierte Muting-Funktionsbausteine können darin konfiguriert werden, was den engineering-seitigen Aufwand für die Sicherheitsvalidierung reduziert, da die Bausteine bereits mit ihren sicherheitstechnischen Kennwerten hinterlegt sind. Für Inbetriebnahme-Ingenieure bedeutet das: Die applikationsspezifische Logik muss nicht neu aufgebaut, sondern lediglich parametriert werden.
Quelle: Bihl+Wiedemann Presse – https://www.bihl-wiedemann.de/de/unternehmen/news/newsletter/asi-5-safety-muting-modul-kostenguenstig-einfach-herstellerunabhaengig-1226





