In der industriellen Steuerungstechnik stellen Tasterboxen eine scheinbar banale, in der Praxis jedoch verdrahtungstechnisch anspruchsvolle Komponente dar: Sie kombinieren häufig Leuchttaster, Meldeleuchten, NOT-HALT-Taster und sichere Schlüsselschalter – also Elemente aus der Standardautomatisierung und der funktionalen Sicherheit – in einem einzigen Gehäuse. Die konventionelle Einzelverdrahtung solcher Geräte erzeugt entsprechend hohen Aufwand, da sichere und nicht-sichere Signale getrennt geführt und entsprechend aufgelegt werden müssen.
Bihl+Wiedemann adressiert diesen Integrationsaufwand mit einer abgestuften Produktpalette auf Basis von AS-Interface (ASi). Das Prinzip: Über das zweidrahtige ASi-Flachkabel werden sowohl Standarddaten als auch sicherheitsrelevante Signale gemeinsam übertragen, ohne dass separate Sicherheitsbusse oder zusätzliche Verdrahtungsebenen erforderlich sind. ASi Safety ist dabei seit Jahren ein etablierter Ansatz für die Übertragung sicherheitsgerichteter Signale bis SIL 3 bzw. PLe über eine einheitliche Businfrastruktur.
Für die konkrete Umsetzung nennt das Mannheimer Unternehmen mehrere Varianten: NOT-HALT-Taster können über aktive ASi Safety Verteiler ohne mechanischen Eingriff ins Gehäuse angebunden werden oder über kompakte Leiterplattenmodule direkt integriert werden. Leuchttaster lassen sich flexibel über Aktivverteiler oder Leiterplattenmodule in ASi einbinden. Bei Tasterboxen mit gemischten Signalen bestand bislang das Problem, dass entweder mehrere Busteilnehmer im Gehäuse untergebracht werden mussten oder ein erhöhter Verdrahtungsaufwand entstand – sowohl bei ASi-3-basierten als auch bei anderen feldbus-technischen Ansätzen.
Das neue ASi-5 Safety Leiterplattenmodul BWR5215 soll diesen Engpass auflösen. Es vereint laut Hersteller bis zu vier sichere Eingänge sowie zwölf digitale Ein- und Ausgänge in einem einzigen kompakten Modul – und belegt dabei nur eine einzige ASi-5-Adresse. Dies ist ein wesentlicher Unterschied zu ASi-3-Lösungen, bei denen sichere und Standard-Slaves in der Regel separate Adressen belegen und die Anzahl der Teilnehmer pro Segment begrenzt ist. ASi-5 erlaubt mit seiner höheren Datenrate und erweiterter Adressierung eine deutlich höhere Signaldichte pro Segment.
Aus Marktperspektive spiegelt diese Produktentwicklung einen breiteren Trend wider: Die Nachfrage nach platzsparenden, verdrahtungsarmen Lösungen für dezentrale I/O-Anbindung – insbesondere in beengten Schaltschrank- oder Feldsituationen – wächst mit dem zunehmenden Kostendruck auf Maschinenbauer und Anlagenintegratoren. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die funktionale Sicherheit durch Normen wie IEC 62061 und ISO 13849, was die Kombination von Safety- und Standard-I/O in einer wirtschaftlichen Infrastruktur zunehmend attraktiv macht.
Das BWR5215 richtet sich damit primär an OEM-Maschinenbauer, die Tasterboxen in größeren Stückzahlen fertigen und dabei Verdrahtungsaufwand sowie Baugröße minimieren wollen. Die Integration als Leiterplattenmodul – im Gegensatz zu aufgesetzten Verteilermodulen – erlaubt eine direkte Einbindung in das Gehäusedesign ohne externe Zusatzkomponenten. Bihl+Wiedemann positioniert sich damit im Wettbewerb um dezentrale Safety-I/O-Infrastrukturen, in dem auch Anbieter wie Pilz, Murrelektronik oder Pepperl+Fuchs aktiv sind.
Quelle: Bihl+Wiedemann Presse – https://www.bihl-wiedemann.de/de/unternehmen/news/newsletter/tasterboxen-mit-und-ohne-sichere-signale-einfach-integrieren-0726-1





