elektro AUTOMATION: Herr Kickinger, mit Supertrack adressieren Sie insbesondere das aus der Industrie-4.0-Diskussion kommende Thema der kundenspezifischen Produkte. Welche Rolle spielt dabei ein Transportsystem?
Kickinger: Endverbraucher sind bereit, für kundenspezifische Produkte mehr zu zahlen. Deswegen suchen Anlagenbetreiber und -bauer nach neuen Konzepten für die moderne Produktion mit kleinen Losgrößen und häufigen Produktwechseln. Hier spielen flexible und intelligente Transportsysteme eine entscheidende Rolle, weil sie die Fertigung individualisierter Produkte zu Stückkosten ermöglichen, die preislich Standardprodukten nahekommen. Zusammen mit seiner Robustheit und einfachen Wartung bietet Supertrak darüber hinaus sowohl Flexibilität als auch Verfügbarkeit – beides entscheidende Voraussetzungen für eine effiziente Massenproduktion. Anders formuliert: Es entstehen Maschinen der Generation Mass Customization. Hier macht sich bezahlt, dass wir mit dem Anlagenbauer ATS einen sehr starken Partner mit langjähriger Felderfahrung ins Boot geholt haben. Supertrak ist seit 2002 in verschiedenen Branchen bei einer Vielzahl von Anwendungen im industriellen Einsatz und das System ist mittlerweile in der dritten Generation entsprechend ausgereift.
elektro AUTOMATION: Wie spiegelt sich das im Aufbau des Systems?
Kickinger: Hier sind vor allem zwei Aspekte zu nennen: Wartbarkeit und Flexibilität. Der Supertrak von ATS (Partner für die Mechanik) und B&R wurde speziell für den 24/7-Betrieb in rauen Industrieumgebungen entwickelt – er arbeitet sehr zuverlässig, ist leicht zu warten und kann vor allem einfach an neue Anforderungen angepasst werden. Die Sekundärteile des Motors, die Shuttles, lassen sich innerhalb weniger Sekunden von der Laufschiene entfernen und wieder anbringen oder durch zusätzliche Shuttles ergänzen. Im Gegensatz zu alternativen Lösungen muss also zur Wartung nicht der komplette Track auseinander genommen werden. Auch die Elektronikbauteile sind modular austauschbar – ebenfalls ohne zeitaufwändige Demontage des Tracks. Die mittlere Reparaturzeit – kurz MTTR – ist sehr niedrig und entspricht den Anforderungen im 24/7-Produktionsalltag.
elektro AUTOMATION: Und die Flexibilität wird über die individuell programmierbaren Shuttles erreicht?
Kickinger: Exakt, denn Umrüstzeiten von Produktvariante A auf B verursachen typischerweise einen Produktionsstillstand, was wertvolle Zeit und damit Geld kostet. Die wirtschaftlichen Vorteile der Massenfertigung gehen so verloren. Das zeigt ein Beispiel aus der industriellen Fensterfertigung: Bauherren können heute aus einer Vielzahl von standardisierten Fensterabmessungen wählen, zusätzlich aber auch kundenspezifische Abmessungen bestellen. Will heißen: Die flexible Produktion in Losgröße 1 erfordert Maschinen, die sich automatisch – ohne Intervention eines Maschinenführers – anpassen. Der Rahmen eines 147-cm-Fensters ist eben zwangsläufig länger als der für die 130-cm-Variante. Intelligente Transportsysteme drängen sich hier geradezu auf, weil sie im Gegensatz zu konventionellen getakteten Transportsystemen alle Produkte individuell transportieren können, also mit unterschiedlichen Zielpositionen, Geschwindigkeiten und Abständen. Das Umrüsten kann zudem völlig automatisiert erfolgen, gesteuert durch Software. Wir haben Supertrak deswegen auch als Komponente in unser Automatisierungssystem integriert und können auf diese Weise wichtige Synergieeffekte mit unserem restlichen Produktprogramm schaffen – Gateway-Module sind dazu nicht erforderlich.





