Jörg Menzner, Sales Specialist/Net Consultant, Siemens AG
1. Herangehensweise 2. Sofortmaßnahmen 3. Beratungsansatz 4. Zu dieser Serie
Eine der größten Herausforderungen eines Unternehmens auf dem Weg zur Digitalisierung sind die Kommunikationswege zwischen der Maschine und dem Office-Netzwerk sowie dem unsicheren Internet. Daher sollte bei der Planung der IoT-Strategie das Cybersecurity-Konzept genau beleuchtet werden und die Frage beantwortet werden, wie Maschinendaten in die Cloud gelangen. Beispielsweise dann, wenn zukünftig ein Maschinen-Marketplace genutzt werden soll und die Anlagen-Leistungen inklusive Personal transparent im Internet angeboten werden sollen. Viele Endkunden wollen nur noch die Leistungen einer Maschine nutzen und diese durch Fremdpersonal betreiben lassen. Solche Konzepte für die ‚Fabrik in der Fabrik‘ werden immer häufiger verlangt und gerade kleinere Kunden sowie Maschinen- und Anlagenbauer haben hier bei der Umsetzung große Probleme. Hier machen sich fehlendes IT-Know-how und Security-Bewusstsein bemerkbar.
Auch große Unternehmen wie die Esslinger Festo AG & Co. KG bestätigen diese Herausforderungen: „Die Digitalisierung der industriellen Automatisierungssysteme ist verbunden mit zunehmender Vernetzung, großen Datenmengen und der Verwendung offener Standards, mit denen Durchgängigkeit erreicht wird“, so Albrecht Salm, Chief Information Security Officer bei Festo. „Die Schattenseite dieser Entwicklung ist die Verwundbarkeit der Systeme gegenüber Cyberangriffen. Die Netzwerke im Produktionsbereich sind zu Angriffszielen geworden; das Vorgehen der Angreifer wird zunehmend aggressiver.”
Herangehensweise
Die Erfahrung zeigt, dass es in den letzten zwei Jahren einige Fälle gab, in denen Unternehmen nach einer Cybersecurity-Attacke bis zu vier Wochen einen Komplettausfall der IT und der Produktion verkraften mussten. Grund dafür sind häufig ‚uralte‘ Windows-Betriebssysteme oder USB-Sticks, über die Anlagen angegriffen werden – was sich dann schlagartig auf die komplette IT-Infrastruktur ausbreitet. In der Regel dauert es dann bis zu drei Tage, in denen ein Unternehmen IT-technisch handlungsunfähig ist. Die Erfahrung zeigt auch, dass bei 90 % der Anwender keine Trennung zwischen dem Office- und dem Produktions-Netzwerk vorgenommen wurde. Lädt dann ein Mitarbeiter eine infizierte Datei aus dem Internet herunter oder öffnet er eine infizierte E-Mail, können schlagartig ungepatchte Altlasten-PCs in der Produktion angegriffen werden.
Sofortmaßnahmen
Eine Sofortmaßnahme zum Schutz der Produktion ist ein kleines sicheres Produktionsnetzwerk, das die Anlagen in Micro- und Nano-Segmente mit Firewalls physikalisch segmentiert. Somit können sich auch untereinander die Anlagen nicht angreifen und der Zugriff aus dem Internet und Office-Netzwerk wird über ein zentrales User-Management geregelt. Nur wenige Profinet-Teilnehmer aus den Zellen dürfen dann in die überlagerten Netzwerk-Schichten und mit OT-Servern kommunizieren. Zudem ist wichtig zu wissen, wo der Netzwerkübergang zwischen dem IT- und dem OT-Netz ist – damit bei einem Cyberangriff klar ist, wer und wo ‚den Stecker ziehen darf‘, damit die Produktion weiterläuft.





