Interview: Tobias Meyer, freier Mitarbeiter der elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Visualisierung ist kein neues Thema, jeder hat schon in der Schule gelernt, wie man aus Excel-Tabellen Diagramme erzeugt. Was machen Sie anders?
Peter Wohlfarth (Peakboard): Es ist natürlich immer die Frage, was man mit der Visualisierung eigentlich erreichen möchte. Denn nicht jeder beliebige Datensatz, der visualisiert wird, erzeugt sofort einen Mehrwert. Es gilt daher herauszufinden, wovon die Mitarbeiter profitieren würden. Vieles gibt es ja schon seit Jahrzehnten, etwa simple Ampelsysteme, die einfach nur anzeigen, ob eine Maschine läuft oder steht. Bei Peakboard liegt die große Zauberei eigentlich nicht in der Visualisierung, sondern in der Datenanbindung: Man kann unterschiedlichste Quellen nutzen, Maschinendaten, ERP-Werte, Sensorsignale, was auch immer. Sammeln, Aufbereitung und Visualisierung findet direkt auf unserer kleinen Box statt. Man braucht keine anderen Systeme, keine andere Software, keine Cloud. Aber die Daten sind nur dann wertvoll, wenn ich sie interpretieren und grundlegende Aussage daraus destillieren kann.
Wie das Industrial Internet of Things (IIoT) Daten nutzbar macht
elektro AUTOMATION: Wo bietet sich eine Visualisierung an? Nur im Executive-Meeting oder auch auf dem Shopfloor?
Wohlfahrt: Das kann man so nicht kategorisch ausschließen. Daten sind da wertvoll, wo sie eben benötigt werden, egal ob von der Führungskraft oder dem Werker. Wichtig dabei ist einfach, dass die Mitarbeiter so wenig wie möglich proaktiv irgendwas nachschauen müssen, sondern die Informationen durch das bloße Hinsehen sofort erfasst werden können. Anzeigen lässt sich alles, und zwar so abgemischt, dass ein Mehrwert entsteht: Es könnten parallel Maschinendaten und die Bundesligaergebnisse angezeigt werden, wenn das gewünscht wäre. Prinzipiell ist es möglich jedweden Datensatz mit anderen in Korrelation zu setzen, da ich in der Auswahl meiner Datenquellen völlig flexibel bin und das System dezentral aufgebaut ist.
elektro AUTOMATION: Werden durch Visualisierung mehr Entscheidungen getroffen, wo vorher einfach nach alten Mustern oder Schema F gearbeitet wurde?
Wohlfarth: Ob quantitativ mehr Entscheidungen getroffen werden, kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich bin aber der Meinung, dass bessere Entscheidungen getroffen werden. Durch Visualisierung habe ich schnellere Möglichkeiten, in den Prozess eingreifen zu können. Ich kann Prozesse steuern und schon vorab andere Bereiche meines Unternehmens mit einbinden: Wenn ich sehe, dass in der Produktion eine Maschine fast fertig ist, dann kann ich durch die Visualisierung zum Beispiel schon in der Lagerhalle den entsprechenden Gabelstapler beauftragen. So kann ich Entscheidungen treffen, die ich vielleicht davor nicht treffen konnte oder nur mit sehr großem Aufwand.





