Elie-Lukas Limbacher, Experte für Stromnetze und Digitalisierung, Deutsche Energie-Agentur GmbH, Berlin
Mit der Energiewende steigt die Zahl steuerbarer Elemente im Energiesystem rasant an: Über 1,5 Millionen EEG-Anlagen speisen bereits in das Stromnetz ein. Mit Batteriespeichern, flexiblen Verbrauchern und steuerbaren Netzbetriebsmitteln wie etwa regelbaren Transformatoren kommen viele weitere Elemente hinzu. Schon heute sind darüber hinaus tausende Energieerzeuger – aber auch flexible Verbraucher wie Kühlhallen – in virtuellen Kraftwerken gekoppelt. In Zukunft werden zudem mehr Elektroautos auf den Straßen erwartet, für die deutlich mehr Ladesäulen benötigt werden. Im ganzen Land entstehen dazu im Rahmen des geplanten Smart-Meter-Rollouts neue digitale Kommunikationseinheiten für Messsysteme, sogenannte Smart-Meter-Gateways. Und nicht zuletzt werden sich auch Smart-Home-Systeme weiter verbreiten, die unter anderem über Strompreissignale zukünftig auch Auswirkungen auf die Energieflüsse in den Stromnetzen haben könnten. Mit der Zunahme dieser steuerbaren Elemente steigt auch der benötigte Informationsaustausch im Energiesystem.
Schnittstellen sind von zentraler Bedeutung
Durch diese Entwicklung nimmt auch die Notwendigkeit zu, neue Geräte ohne größeren Aufwand und in kurzer Zeit in das Energiesystem zu integrieren. Diese müssen den Ansprüchen an Steuerbarkeit, Sicherheit und Schutz verlässlich genügen. Den Schnittstellen zwischen den einzelnen Elementen kommt daher eine zentrale Bedeutung zu. Neben physischen Schnittstellen wie etwa dem Stecker eines Elektroautos und der Steckdose einer Ladestation, spielen für den Informationsaustausch auch andere Eigenschaften eine wichtige Rolle: So reicht es zum Beispiel nicht aus, dass ein bestimmter Netzwerkstecker in die entsprechende Modembuchse passt – ebenso müssen auch die Formate der digitalen Informationen und die dabei verwendeten Kommunikationsprotokolle zueinander passen, damit beide Komponenten reibungslos miteinander kommunizieren können.
Einheitliche Standards für die Energiewende
Standards erfüllen den Zweck, die Fähigkeit der Zusammenarbeit – die sogenannte Interoperabilität- sicherzustellen. Zugleich definieren und vereinfachen sie die Regeln für die Interaktion. Das Zusammenspiel von Millionen regenerativer Energieerzeuger, digitaler Mess- und Regelsystemen und vielen anderen steuerbaren Elementen im Energiesystem kann nur mit geeigneten einheitlichen Standards reibungslos funktionieren. Die Verbreitung und einheitliche Anwendung solcher Standards sind essenziell für das Gelingen der Energiewende. Im Zuge der Digitalisierung wird die Bedeutung von Schnittstellen weiter zunehmen, da neben den klassischen physischen Verbindungen die digitalen Kommunikationsschnittstellen – und damit auch die dort verwendeten Standards – ein zentraler Bestandteil des Energiesystems werden.





