Nico Schröder, Korrespondent elektro AUTOMATION, Augsburg
1. Engineering-Fokus auf Software und IT 2. Hardware-Funktionen durch Apps erweiterbar 3. Digitale Daten für die Konstruktion nutzen 4. Festo verfolgt Multi-IoT-Plattformstrategie
Eine interne digitale Transformation ist eng verbunden mit informationstechnologischer Infrastruktur und dem Bereich Personal. Zum anderen geht es für einen Zulieferer wie Festo darum, digitale Produkte und Services zu entwickeln, die sowohl den Endkunden als auch den OEMs Mehrwert bieten. Eng verknüpft damit sind neue Vertriebs- und Kommunikationsstrategien, um Kunden bereits online abzuholen und ihnen den Mehrwert digitaler Funktionen zu vermitteln. Kunden sollen mit den Möglichkeiten digitaler Produkte und Services vertraut gemacht werden. Wiederum profitieren Hersteller beziehungsweise Zulieferer und OEMs von den Erfahrungen ihrer Kunden im Bereich Digitalisierung, wenn die Erfahrungswerte aus dem Feld zurück in die Produktentwicklung fließen können.
Heiko Geng, Head of Product Management Digital Business bei Festo, spricht von einer „Digitalstrategie auf mehreren Säulen“: Das Unternehmen richte sich ganzheitlich digital aus – eng verknüpft mit den Bereichen Sales, IT und Human Resources. „Die Geschäftsbereiche Electric Automation, Process Automation, Pneumatic Automation sowie Life Tech entwickeln smarte Produkte, die es uns ermöglichen, digitale Produkte und Services nachzuschalten“, beschreibt Geng die Strategie innerhalb der Produktentwicklung Digitalisierung. Hierfür seien vor allem die Fähigkeiten der Konnektivität, der Datengewinnung und des Datensammelns maßgeblich. All dies brächten neue Produkte als infrastrukturelle Voraussetzungen mit.
Als „Digital Customer Journey“, als digitale Kunden-Reise, beschreibt Geng die Aufgabe, „Kunden entlang einer Online-Experience zu führen, um ihnen die Auswahl an Produkten intuitiv online zu ermöglichen“. Das Unternehmen habe früh erkannt, neue Kanäle zu nutzen, um digitale Produkte und Services auf den Markt zu bringen, die sich von der bisherigen Vertriebswelt unterscheiden. Für die Mitarbeiter im Vertrieb bedeute dies, über die Antriebslösungen hinaus vor allem Software zu verkaufen. Software-Vertrieb sei allerdings eine deutlich andere Herausforderung, sagt Eberhard Klotz, Head of Industry 4.0 Campaign bei Festo: „Die Kunden denken anders als jene, die bisher rein Pneumatik eingekauft haben.“
Engineering-Fokus auf Software und IT
Auch in der Entwicklung ist Software längst treibend. Der klassische Pneumatiker, der kundenseitig pneumatische Lösungen wie Ventilinseln konzeptionell erstellt und festgelegt hat, ist eher Vergangenheit als Gegenwart. Auch die Integration von Ventilinseln in Elektronik sowie die Feldbusintegration – verbunden mit der wichtigen Rolle der Elektro-Ingenieure – hat sich gewandelt. „Heute sind IT-Ingenieure und Applikationsprogrammierer maßgeblich. Sie treffen die Entscheidung darüber, wie einen Maschinenkonzept aussieht“, sagt Festo-Applikationsingenieur Frank Bayer. Um die IT nun stärker an Fertigungsbelange heranzuführen, wird IT-Personal bereitgestellt, das die Fertigung langfristig betreut, um Lernprozesse auf beiden Seiten zu unterstützen. Durch eine agile Produktentwicklung ist Festo bei digitalen Produkten und Services in der Lage, permanente Updates der Software darzustellen wie sie aus dem Consumer-Bereich bekannt sind. Fehlerbehebungen werden so schnell über App-Stores verfügbar gehalten. Durch die agile Produktentwicklung haben Kunden die Möglichkeit, Einfluss auf die Produktentwicklung im Entwicklungsprozess zu nehmen – das Stichwort ist Co-Creation: Mit Kunden und Partnern wie Lieferanten und Bildungsinstituten werden Dialoge und Innovations-Laboratorien (Inno-Labs) aufgebaut, um die verschiedenen Stakeholder an einer gemeinsamen Idee mitwirken zu lassen.





