Dr. Arne Linder, Produktmanagement, Kollmorgen, Ratingen
1. Die zentrale Ausgangslage 2. Die dezentrale Alternative 3. Einsparungen bei Installation und Montage 4. Technische Vorteile durch sinkende Komplexität 5. Dezentrale Antriebstechnik als Hybridlösung
Ob es für Unternehmen im Maschinen- und Anlagenbau vorteilhaft ist, dezentrale Antriebssysteme einzusetzen, hängt von mehreren Faktoren ab, zum Beispiel welche Architektur aus kaufmännischer wie technischer Sicht die beste ist. Häufig geht es um Mischarchitekturen und das Nebeneinander beider Systeme. Damit wird spätestens jetzt der Ruf nach Integration laut. Die beiden Welten lassen sich am einfachsten miteinander verbinden, wenn die Grundgesamtheit an Eigenschaften möglichst groß ist. Standardisierte Geräteplattformen sind deshalb der richtige Weg.
Die zentrale Ausgangslage
Im Vergleich zur horizontalen Fördertechnik, bei denen dezentrale Frequenzumrichter schon seit Jahren zum gewohnten Bild gehören, bestimmt bei Applikationen mit hochdynamischer und präziser Motion-Control nach wie vor zentrale Servotechnik die Optik im Maschinenbau. Die Servoverstärker hängen geschützt von der Außenwelt im Schaltschrank. Die Verbindung zu den Motoren wird bei diesem Aufbau sternförmig installiert. Da bei der zentralen Servotechnik die Verlustwärme zentral an einem Ort entsteht, ist eine wirksame Schaltschrankklimatisierung notwendig.
Die dezentrale Alternative
Bei der dezentralen Servotechnik wird die Motorregelung aus dem zentralen Schaltschrank herausgelöst, um diese Aufgabe räumlich direkt einem Prozess zuzuordnen. Diese Architektur macht robuste Technik mit hoher Schutzart notwendig und kommt häufig bei räumlich verteilten Einzelachsen zum Einsatz. Die Vorteile liegen beim geringeren Installationsaufwand – insbesondere in puncto Motorkabel. Weiterer Vorteil ist die großflächige Verteilung der Verlustwärme, was den Aufwand für Schaltschrankklimatisierungen reduziert.
Einsparungen bei Installation und Montage
Die Einsparpotenziale der dezentralen Technik werden anhand einer realen Maschine mit acht Positionierachsen aus dem Bereich „Metallforming“ deutlich. Bisher war der zentrale Aufbau gekennzeichnet von Schaltschrankumrichtern, geschirmten Kabeln zwischen Motoren und Reglern sowie einer weiteren Leitung für das Rückführungssystem. Die erste Achse ist 5 m vom Schaltschrank entfernt, jede weitere 3 m weiter. Der Verkabelungsaufwand summiert sich bei den acht Positionierachsen auf 248 m. Ist stattdessen die Kombination aus Kollmorgen-Versorgungsmodul AKD-C im Schaltschrank und acht dezentralen Servoreglern vom Typ AKD-N im Einsatz, reduziert sich die Länge auf 34 m – eine Ersparnis von 86%. Die Zahl verdeutlicht, welche Effizienzgewinne gerade bei OEMs in puncto Kabelkosten, Montage und Installation möglich sind. Noch gravierender fallen diese aus, wenn die Achsen zusätzliche I/Os aufweisen. Statt 372 m werden dann nur noch 42 m benötigt – was Einsparungen von 89% entspricht. Durch die Verlagerung der Antriebe in die Maschine resultiert ein Minus an Verlustleistung im Schaltschrank. Dieser Effekt sorgt für einen Minderbedarf an Klimatisierung – und damit für Einsparungen sowohl beim OEM als auch beim Endkunden. Da eine Schaltschrank-Klimaanlage geringer dimensioniert werden kann oder sogar komplett entfällt, sinken die Kosten für Hardware und den späteren Betrieb.





