Jörg Schuler, OT Security Portfolio Manager bei Airbus Cyber Security in Taufkirchen
1. OT als neues Feld digitaler Risiken 2. Wie könnten sich Angriffe entwickeln? 3. Ausfallzeit hat verheerende Auswirkungen
Auf den ersten Blick ist dies einfach nachvollziehbar: Eine Vielzahl von Geräten, Sensoren und Equipment mit dem Internet verbinden, und das in Kombination mit Machine-to-Machine-Kommunikation (M2M) und -Automatisierung, die für industrielle Prozesse erforderlich sind, klingt nach der nächsten großen Industrieumwälzung. In Deutschland, Europas größter Industriewirtschaft, hat sich die Nutzung von IIoT zur digitalen Automatisierung so weit entwickelt, dass sie als vierte industrielle Revolution bezeichnet werden kann, die sogenannte strategische Initiative Industrie 4.0, die auch von der Bundesregierung gefördert wird.
Die Aussicht auf integrierte Lieferketten, Echtzeit-Rückmeldungen über Prozesse, auftretende Probleme und vorhandene Bestände, bei denen selbst die kleinsten Elemente eines industriellen Prozesses miteinander verbunden wären, ist dabei äußerst erfolgsversprechend. Effizienz wird so erheblich gesteigert, Probleme und Fehlermeldungen verringert, weil die Systeme letztendlich für sich selbst sorgen könnten, ohne dass teure menschliche Eingriffe und Managementmaßnahmen erforderlich sind. Das IIoT wird so zur Plattform für jene Branchen, von denen die digitale Wirtschaft letztlich abhängt.
OT als neues Feld digitaler Risiken
Ein realistischer, manchmal auch pessimistischerer Blick sieht in der flächendeckenden Verbreitung von IIoT und OT aber auch ein neues Feld digitaler Sicherheitsrisiken. Diese könnten in ähnlicher Weise unterschätzt werden, wie die Risiken des konsumentenorientierten IoT in den zurückliegenden Jahren. Denn nicht nur für Sicherheitsskeptiker dürfte dabei klar sein, je mehr Geräte, Equipment, Sensoren und Anwendungen miteinander verbunden werden, desto größer ist die gegenseitige Abhängigkeit und Empfindlichkeit gegenüber Störfällen. Die Entwicklung der Cyberkriminalität in den letzten 20 Jahren zeigt, dass mit den Nutzern des IIoT und OT analog auch die potenzielle Zahl von Angreifern steigt. Da sich Industrie 4.0 und IIoT aber noch im Aufbau befinden und viele Technologien und Standards nicht final implementiert sind, sind auch potenzielle Schwachstellen für Cyberangriffe nicht immer offensichtlich.
Jüngste Cyberangriffe auf Fertigungsanlagen zeigen aber, dass Anlass zur Sorge besteht. Laut dem letzten Data Breach Investigations Report (DBIR) von Verizon, der die Zahlen von 2017 analysierte, zählte das verarbeitende Gewerbe 42 bekannte Verstöße und 389 Cybervorfälle verschiedener Art. Damit liegt es direkt hinter Sektoren wie Gesundheitswesen, Finanzen und Einzelhandel. Etwa 90 % davon gehen eher von externem Hacking aus als von einer internen Kompromittierung oder einer Fehlkonfiguration. Verizon weist zudem darauf hin, dass 86 % gezielte Angriffe waren, die speziell für die Penetration bestimmter Unternehmen entwickelt wurden.





