Die Fragen stellte Johannes Gillar, stv. Chefredakteur, elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Um die Bediener zu schützen, arbeiten typische Industrieroboter in der Fabrik bisher hinter Schutzzäunen, was die Interaktion mit dem Werker erschwert bzw. unmöglich macht. Wie lässt sich eine gefahrlose Mensch-Roboter Kollaboration erreichen?
Albrecht Hoene (Kuka): Ziel der Mensch-Roboter-Kollaboration ist es, wie der Begriff schon sagt, dass Mensch und Roboter eng zusammenarbeiten und miteinander kollaborieren. Das Thema Sicherheit ist dabei natürlich ein zentraler Aspekt. Für die Zusammenarbeit mit dem Menschen muss ein Roboter in der Lage sein, seine Geschwindigkeit zu begrenzen, drohende Kollisionen zu erkennen und seine Kräfte auf ein sicheres Maß zu beschränken. Bei unserem LBR iiwa, dem weltweit ersten in Serie gefertigte sensitiven Leichtbauroboter für die Industrie, haben wir diese Herausforderungen mit Gelenkmomenten-Sensoren gelöst, die in allen sieben Achsen verbaut sind. So kann der LBR iiwa seine Umwelt sicher ‚fühlen‘, Kollisionen sicher erkennen und Kräfte sicher beschränken.
Andreas Schunkert (Universal Robots): Sicherheits-Applikationen in der Mensch-Roboter-Kollaboration (MRK) gibt es gemäß der geltenden EN ISO 10218 in verschiedenen Arten. Die zwei verbreitetsten sind der sichere überwachte Halt, in welchem der Roboter oft über einen Laserscanner, der den Roboter beim Eintritt einer Person in den Gefahrenbereich stoppt, abgesichert wird sowie die Kraft- und Leistungsüberwachung, die den Roboter bei einer Kollision mit einem Menschen oder einem Gegenstand stoppt. Oft macht es Sinn, beide Varianten miteinander zu kombinieren, um die Gefährdungen für den Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten. Grundsätzlich sollte jedem Anwender bewusst sein, dass im Rahmen der Risikobeurteilung einer MRK-Applikation einiges zu beachten ist, weshalb diese nicht von einem Laien durchgeführt werden sollte.
Richard Tontsch (Yaskawa): Technisch lassen sich die Arbeitsbereiche von Robotern über sichere Steuerungen eingrenzen, wobei der Arbeitsraum des Roboters von der Steuerung selbst begrenzt wird. Darüber hinaus können Arbeitsräume rund um den Roboter, z.B. über Lichtschranken oder Lasersensoren, gesichert werden. Jedoch kommt auch der Ausbildung der Bediener und Programmierer eine große Bedeutung zu. Eine Maschine kann zwar immer möglichst gut abgesichert werden. Dem Bediener muss aber auch bewusst sein, dass kein System die physikalischen Gesetze außer Kraft setzt, und er muss wissen, worauf er achten muss, um das System sicher zu betreiben.
elektro AUTOMATION: Für eine sichere MRK müssen Roboter in der Lage sein, Menschen und Gegenstände wahrzunehmen und schnell auf sie zu reagieren. Sind die heute verfügbaren Sensorsysteme und Sicherheitsalgorithmen in der Lage dies zu gewährleisten?





