Hattersheim, 1. Juli 2026 – Der Kommunikationsspezialist Hilscher hat das Konsortialforschungsprojekt Factory-X nach rund zweieinhalb Jahren Laufzeit abgeschlossen und zieht eine positive Bilanz. Zentrales Ergebnis: Industrielle Datenräume, die nach den Souveränitätsprinzipien der Gaia-X-Initiative konzipiert sind, werden nach Einschätzung des Unternehmens zu einem praxistauglichen Ansatz für die unternehmensübergreifende Datenkollaboration auf der Shopfloor-Ebene.
Datenräume gelten in der industriellen Automatisierung als Schlüsseltechnologie für den kontrollierten Austausch von Produktions-, Qualitäts- und Maschinendaten zwischen verschiedenen Akteuren einer Wertschöpfungskette – ohne zentrale Datenhaltung bei einem einzelnen Plattformbetreiber. Bisherige Implementierungen scheiterten in der Praxis häufig an der Komplexität der Anbindung heterogener Shopfloor-Infrastrukturen, die geprägt sind von proprietären Protokollen, unterschiedlichen Steuerungsgenerationen und gewachsenen OT-Netzwerken.
Factory-X setzt hier an der Schnittstelle zwischen Feldebene und datensouveräner Cloud-Infrastruktur an. Hilscher bringt in diesen Kontext seine Kernkompetenz in der Multiprotokoll-Kommunikation ein: Die netX-SoC-Familie des Unternehmens unterstützt eine breite Palette industrieller Ethernet- und Feldbus-Standards – von PROFINET und EtherNet/IP bis hin zu EtherCAT – und ermöglicht damit eine protokollunabhängige Erfassung von Shopfloor-Daten als Vorstufe zur Einspeisung in Datenräume. Ergänzend bietet Hilscher mit seiner Managed-IIoT-Plattform Lösungen für zentralisiertes Edge-Management, das als technologische Brücke zwischen OT und IT fungiert.
Die Bedeutung des Projekts ist im Kontext der europäischen Industriedatenstrategie zu bewerten. Mit dem EU Data Act und dem Manufacturing-X-Ökosystem – unter dessen Dach Factory-X angesiedelt ist – entsteht regulatorischer und marktlicher Druck, interoperable Dateninfrastrukturen in der Fertigungsindustrie zu etablieren. Analysten schätzen, dass der Markt für industrielle Datenplattformen bis 2030 zweistellige jährliche Wachstumsraten verzeichnen wird, wobei die Fähigkeit zur souveränen Datenteilung zunehmend zum Differenzierungsmerkmal im Maschinen- und Anlagenbau avanciert.
Für Anwender auf der Shopfloor-Ebene ist die Absenkung der Integrationskomplexität das entscheidende Projektergebnis. Bislang erforderte die Anbindung an Datenräume erheblichen Engineering-Aufwand für die Datensemantik, Identitätsverwaltung und Konnektoren-Entwicklung. Factory-X adressiert diese Punkte mit standardisierten Ansätzen, die eine niedrigschwellige Partizipation auch für mittelständische Fertigungsunternehmen ermöglichen sollen – eine Zielgruppe, die bislang überproportional häufig außerhalb solcher Ökosysteme verblieb.





