OT und IT wachsen immer mehr zusammen. Doch waren Produktionsnetzwerke früher abgeschottet, wird heute durch die Vernetzung mit der IT der Zugriff von außen erleichtert. Die selektive Begrenzung von Geschäfts- und Produktionsprozessen mittels Zero-Trust erlaubt eine deutlich höhere Granularität und Spezifität der IT-Security, als es bisherige Konzepte ermöglichten. Das zeigen die Lösungen von Genua.
Steffen Ullrich, IT-Sicherheitsforscher und Technology Fellow bei der Genua GmbH
Inhaltsverzeichnis 1. Was bedeutet das Zero-Trust-Paradigma? 2. Wie finden Anwender den für sie richtigen Zero Trust Ansatz? 3. Zero-Trust an einem Beispiel 4. Zukunftsfähige Zero-Trust-Konzepte
OT-Umgebungen sind betriebskritischer als IT-Umgebungen. Produktionsausfälle oder Fehlfunktionen haben typischerweise drastischere Auswirkungen als in der IT. Entsprechend vorsichtig geht man beim Betrieb vor. Eine Folge davon ist, dass verglichen mit der IT die Änderungsrate in der OT deutlich geringer ist, und somit auch das Alter der eingesetzten Geräte und Software deutlich höher ist als in der IT. Technologien und Design stammen oft aus einer Zeit, als Cyber-Sicherheit eine geringe Priorität in der Entwicklung hatte. Entsprechend breit ist die Angriffsfläche. Zusätzlich muss man von einer unzureichenden Sicherheit der IT-Umgebungen ausgehen. Das betrifft nicht nur die Office-IT mit den typischen Angriffsvektoren über Phishing, Malware und Ransomware. Auch Cloud-Dienste oder eine vom Dienstleister betreute Fernwartung führen dazu, dass Betreiber immer weniger Kontrolle über ihre eigenen Netzwerke haben. Eine direkte Vernetzung von OT und IT exponiert also die breite Angriffsfläche der OT in eine potenziell unsichere IT. Dies führt nicht nur zu einer Gefährdung der zuverlässigen Produktion. In gefährlichen Bereichen wie dem Chemiesektor kann es auch zu einer Gefährdung der Safety und damit von Menschenleben führen.
Zum einen ist es wichtig, die potenzielle Angriffsfläche so weit wie möglich zu verringern. Ausgehend von einen Minimalitätsprinzip, bei dem nur das wirklich notwendige möglich sein sollte, schränken Zero-Trust-Konzepte wie Mikrosegmentierung oder Software-Defined-Perimeter proaktiv die möglichen Kommunikationswege ein und reduzieren damit die Angriffsfläche auf ein Minimum. Dabei ist zunächst konkret festzulegen, welcher Zugriff und welche Kommunikation für wen erlaubt sein sollen. Nur diese werden konsequent sowohl auf Applikations- als auch auf Netzebene zugelassen. Zusätzlich gilt es, die Komplexität zu verringern. Je weniger Features eine Software hat und je klarer die Schnittstellen sind, desto verständlicher, leichter und wirksamer ist eine Absicherung.
Keine Sicherheitskomponente ist hundertprozentig zuverlässig. Daher ist es wichtig, mehrschichtige Sicherheitsarchitekturen aufzubauen, bekannt unter dem Begriff Defense in Depth. In der Praxis bedeutet dieses, Zugriffsbeschränkungen auf mehreren Ebenen durchzusetzen, zum Beispiel durch die Beschränkung des Zugangs zum Netz, die Beschränkung der Kommunikation im Netz und die Zugriffskontrolle an dem Dienst bzw. Gerät. Versucht ein Angreifer dann, in ein Netzwerk einzudringen, kommt er nicht weit. Zusätzlich zu den proaktiven Maßnahmen sollten auch reaktive eingesetzt werden. Ausführliches Monitoring ist die Voraussetzung für eine frühzeitige Angriffserkennung sowie für eine zeitnahe Reaktion im Angriffsfall. Wichtig sind auch eine Sensibilisierung von Mitarbeitern und funktionierende Notfallpläne.





