Die produzierende Industrie steht unter erheblichem Wettbewerbsdruck: steigende Energiekosten, anhaltender Fachkräftemangel und die Notwendigkeit, digitale Technologien wirtschaftlich nutzbar zu machen. Die Hannover Messe 2027, die vom 5. bis 8. April in Hannover stattfindet, positioniert sich als zentrale Plattform, auf der Technologieanbieter und Entscheider aus der produzierenden Industrie konkrete Antworten auf diese Herausforderungen diskutieren.
Im Mittelpunkt steht diesmal das Thema Industrial AI — also der praxisorientierte Einsatz von KI-Methoden direkt in Fertigungsumgebungen. Anders als generische KI-Anwendungen zielt Industrial AI auf spezifische Aufgaben wie vorausschauende Wartung, Qualitätskontrolle per Bildverarbeitung, adaptive Steuerungslogik und Prozessoptimierung in Echtzeit. Für Automatisierungsingenieure bedeutet das konkret: KI-Module, die sich in bestehende SPS-Architekturen und SCADA-Systeme integrieren lassen, rücken zunehmend in den Mittelpunkt der Produktentwicklung.
Ein weiteres zentrales Thema ist die Robotik, insbesondere humanoide Roboter. Nachdem kollaborative Roboter (Cobots) in den vergangenen Jahren ihren Weg in flexible Fertigungszellen gefunden haben, erproben erste Anwender nun mobile, anthropomorphe Systeme für repetitive oder ergonomisch belastende Tätigkeiten. Die Hannover Messe 2027 bietet einen Überblick, welche dieser Systeme über den Prototypenstatus hinausgekommen sind und welche Integrationshürden in der Praxis noch bestehen — etwa hinsichtlich Sicherheitskonzepten nach ISO/TS 15066 oder der Anbindung an übergeordnete MES-Systeme.
Zu den bestätigten Ausstellern zählen globale Technologiekonzerne wie Siemens, Schneider Electric, SAP, Microsoft und AWS auf der Software- und Plattformseite sowie spezialisierte Automatisierungsanbieter wie Beckhoff, Festo, ifm, Phoenix Contact, Rittal und LAPP. Diese Mischung aus IT-Anbietern und klassischen Automatisierungsspezialisten spiegelt den anhaltenden Konvergenztrend wider: OT und IT wachsen auf Feldbus-, Edge- und Cloud-Ebene weiter zusammen. Für Ingenieure in Planungs- und Integrationsprojekten ist die Messe damit eine Gelegenheit, Interoperabilitätsfragen — etwa rund um OPC UA, MQTT oder NAMUR Open Architecture — direkt mit Herstellern zu klären.
Energieeffizienz bleibt als Querschnittsthema präsent. Angesichts weiterhin hoher Industriestrompreise in Europa gewinnen Lösungen zur Lastoptimierung, zur Rückspeisung von Bremsenergie in Antriebssystemen und zum Einsatz von Frequenzumrichtern in bisher ungeregelten Anwendungen an wirtschaftlicher Relevanz. Auch die Integration erneuerbarer Erzeugung in industrielle Energiemanagementsysteme gemäß ISO 50001 dürfte auf der Messe breiten Raum einnehmen.
Partnerland der Hannover Messe 2027 ist Spanien, das als bedeutender Maschinenbau- und Automobilstandort in Europa eigene Automatisierungs- und Digitalisierungsprojekte einbringt. Der branchenübergreifende Technologietransfer — ein erklärtes Ziel der Veranstaltung — ermöglicht es Ausstellern und Besuchern, Lösungsansätze aus unterschiedlichen Industriezweigen auf die eigene Produktion zu übertragen.
Für Fachbesucher aus Konstruktion, Automatisierungsplanung und Produktion empfiehlt sich eine gezielte Vorbereitung anhand der Ausstellerprofile und Themenrouten, die die Deutsche Messe AG vorab bereitstellt. Die Konzentration auf vier Messetage erhöht den Bedarf, Gesprächsprioritäten frühzeitig zu setzen — insbesondere bei Live-Demonstrationen von KI-gestützten Steuerungssystemen und neuen Robotikplattformen, die erfahrungsgemäß hohe Besucherfrequenz erzeugen.
Quelle: Hannover Messe News – https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/industrie-unter-druck-warum-2027-alle-nach-hannover-schauen





