Die Fragen stellte Andreas Gees, stv. Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Fachleute sprechen überwiegend von Koexistenz statt von Mensch-Roboter-Kollaboration. Welche Schutzmaßnahmen eignen sich für die Mensch-Roboter-Kollaboration bzw. -Koexistenz, müssen evtl. verschiedene Ansätze kombiniert werden, um die geforderte Sicherheit zu gewährleisten?
Ulrich Bernhardt (Schmersal): Für die Koexistenz von Mensch und Roboter, die aktuell die häufigste Form in Produktionsbetrieben darstellt, eignet sich der Einsatz einer sicherheitsgerichteten Steuerung, die sicherstellt, dass der Roboterarm seinen Arbeitsbereich nicht verlässt und die definierten Achsgeschwindigkeiten nicht überschreitet. Die Schmersal-Gruppe bietet Roboterherstellern mit ihrem Safety Controller die Funktionalitäten der hier benötigten sicherheitsgerichteten Steuerung.
Eine weitere Applikation ist die sequentielle Kooperation, in der Mensch und Roboter nacheinander in einem gemeinsamen Arbeitsbereich arbeiten. Das Unternehmen bietet hierzu Sicherheitsschaltmatten und berührunsglos wirkende Schutzeinrichtungen an, um einen Menschen im Gefahrenbereich des Roboters zu detektieren. Mit dem Einsatz des Safety Controlles wird in diesem Falle sichergestellt, dass der Roboter im sicheren Stillstand ist.
Bei der parallelen Kooperation arbeiten Mensch und Roboter gleichzeitig in einem gemeinsamen Arbeitsbereich. Direkter Kontakt zwischen dem Menschen und dem Roboter ist nicht vorgesehen. Die Sicherheit muss z.B. mit einer sicher trennenden Schutzeinrichtung gewährleistet werden. Hier bieten wir vielfältige Lösungsmöglichkeiten an, wie zum Beispiel Sicherheitszuhaltungen, Sicherheitslichtgitter/-vorhänge usw. Im Falle der Kollaboration von Mensch und Roboter arbeiten beide miteinander Hand in Hand. Direkter Kontakt ist erforderlich und daher nicht zu vermeiden. Daher ist hier eine Sensorik notwendig, die z.B. eine Kollision mit dem Bediener detektiert und die Roboterbewegung stoppt. Wir arbeiten eng mit der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg zusammen, mit dem Ziel, auf diesem Gebiet Vorreiter zu werden.
In vielen Fällen müssen z.B. aus Taktzeitgründen mehrere verschiedene Kollaborationsformen kombiniert werden. Zu der Phase der direkten ‚Mensch Roboter Kollaboration‘ ist der Roboter sehr langsam und leistungsreduziert, in anderen ‚sicheren Bereichen‘ darf er sich ‚schneller und kräftiger‘ bewegen. Hier kommen dann sichere Räume ggf. mit zusätzlichen Sicherheitskomponenten z. B. Sicherheitslichtgitter/-vorhänge oder Sicherheitsschaltmatten zum Einsatz.
Dr. Harald Grübel (Euchner): Die begriffliche Differenzierung Koexistenz oder Kollaboration macht sich an der räumlichen Anordnung der beiden ‚Kollegen‘ Mensch und Roboter fest. In jedem Fall meint ‚Ko‘ eine gemeinsame Bearbeitung eines Fertigungsauftrags, die Frage ist nur an welchem Ort und zu welcher Zeit. Koexistenz meint, dass Mensch und Maschine in getrennten Räumen an getrennten Werkstücken, aber durchaus zeitlich parallel arbeiten. Zur Übergabe der Werkstücke von einem Partner zum andern wird die Maschine sicher angehalten und der Mensch bekommt die Möglichkeit, das Werkstück zu übernehmen oder zu übergeben. Die Roboterzelle wird durch eine trennende Schutzeinrichtung gesichert. Der Übergabebereich wird je nach Gefährdungslage von einer gesicherten Tür oder von einem Sicherheits-Lichtvorhang geschützt.





