Im Segment der industriellen Mensch-Maschine-Schnittstellen zeichnet sich seit Jahren ein struktureller Wandel ab: Anwender fordern zunehmend mobile Bedienlösungen, während regulatorische Anforderungen – insbesondere durch die Maschinenrichtlinie bzw. die ab 2027 verbindliche EU-Maschinenverordnung 2023/1230 – die funktionale Sicherheit in den Vordergrund rücken. Genau in diesem Spannungsfeld positionieren KEBA und Wöhler ihre gemeinsame Lösung: Safe Wireless HMI Panels, über die das Fachmedium elektrotechnik (Vogel) berichtet.
Die Kernaussage der Partnerschaft liegt in der Integration von Safety-Funktionen in ein kabelloses Bedienpanel. Konkret bedeutet dies, dass sicherheitsrelevante Funktionen – darunter klassischerweise Not-Halt oder Zustimmtaster – über eine drahtlose Verbindung realisiert werden, ohne dabei die geforderten Sicherheitsintegritätslevel zu unterschreiten. Wireless Safety ist technisch anspruchsvoll, da Latenz, Übertragungssicherheit und Kanalverfügbarkeit nachweisbar den einschlägigen Normen wie IEC 62061 oder ISO 13849 genügen müssen.
KEBA ist als österreichischer Automatisierungsspezialist insbesondere durch seine KePlast- und KeTop-Produktlinien für tragbare Bedienpanels in der Fertigungsautomatisierung bekannt. Wöhler ergänzt als Partner mit Applikations- und Integrationskompetenz. Die Kombination aus etablierter Safety-Architektur und Wireless-Konnektivität spricht vor allem Maschinenbauer an, die ihren Bedienern räumliche Flexibilität ermöglichen wollen – etwa bei großen Anlagen, verketteten Fertigungslinien oder Roboterzellen, wo ein festes Bedienpult den Arbeitsfluss einschränkt.
Marktanalytisch ist der Schritt folgerichtig: Der globale Markt für industrielle HMI-Systeme wird von verschiedenen Marktforschungsinstituten auf ein Volumen im mittleren einstelligen Milliardenbereich beziffert, mit stabilen Wachstumsraten im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich jährlich. Treiber sind Automatisierungsvorhaben, der Fachkräftemangel – der intuitive Bedienung wichtiger macht – sowie die zunehmende Verbreitung kollaborativer und flexibler Fertigungskonzepte. Wireless-fähige und gleichzeitig sicherheitszertifizierte HMI-Lösungen sind in diesem Kontext ein klar differenzierendes Merkmal gegenüber konventionellen Schleppkabel-Panels.
Für Maschinenbauer und Systemintegratoren ergibt sich durch solche Lösungen potenziell eine Vereinfachung der Installations- und Inbetriebnahmelogistik sowie eine Reduktion mechanischen Verschleißes durch entfallende Kabelschleppketten. Gleichzeitig sind bei der Systemauslegung Aspekte wie WLAN-Kanalmanagement, Koexistenz mit anderen Funksystemen und die Zertifizierungsstrategie für den jeweiligen Maschinensicherheitsnachweis sorgfältig zu berücksichtigen.
Insgesamt steht die vorgestellte Lösung exemplarisch für einen Trend, der sich im HMI-Markt weiter festigen dürfte: die Konvergenz von Usability, Mobilität und funktionaler Sicherheit in einem einzigen Gerät – weg vom Kompromiss, hin zur integrierten Anforderungserfüllung.
Quelle: elektrotechnik (Vogel) – https://www.elektrotechnik.vogel.de/woehler-keba-safe-wireless-hmi-panels-a-1e5954b09bfa77dc351ea899406723b9/





