elektro AUTOMATION: Standards sind in der Industrie selbstverständlich, aber warum sind sie eigentlich so wichtig?
Norbert Hauser (Kontron): Standards sind eine wesentliche Voraussetzung für die Adaption und Weiterentwicklung von Technologien. Sie gewährleisten, dass Komponenten, die bestimmte Spezifikationen gemäß der Vorgaben erfüllen, kompatibel zueinander sind. Das ist wichtig, etwa bei Ausschreibungen oder der Entwicklung neuer Designs. Angebote werden damit vergleichbar, und beim Entwurf neuer Produkte kann man standardisierte Kompontenten einplanen, ohne sich im Vorfeld für das konkrete Produkt eines Herstellers entscheiden zu müssen. Außerdem garantieren Standards, dass Weiterentwicklungen abwärtskompatibel sind, also bestehende Designs nicht nachträglich verändert werden müssen. Standardisierte Produkte sind oft länger einsetzbar als Individualprodukte, die sich mit dem nächsten Lieferzyklus schon verändert haben können.
elektro AUTOMATION: Engagiert sich Kontron bei Standards?
Hauser: Kontron hat als Pionier der Standard Computer-on-Modules (COMs) und langjähriges Executive-Mitglied seit der Gründung der PICMG, den COM-Express-Type-7-Standard für den COM-Express-Basic-Formfaktor mit auf den Weg gebracht. Kontron unterstützt alle COM-Express-Formfaktoren wie Basic, Compact und Mini mit einem breiten X86-Produktportfolio und bietet neben den COMs auch Standard- und kundenspezifische Carrier-Boards an.
elektro AUTOMATION: Oft wird erklärt, dass Standards einen gewissen Lock-in bedeuten, der Innovationen verhindert, weil Standards technologische Weiterentwicklungen verhindern.
Hauser: Natürlich kann die Adaptionsgeschwindigkeit neuer Technologien verlangsamt werden, da es einige Zeit braucht, bis dafür Standards angepasst sind oder noch länger, wenn neue Standards geschaffen werden müssen. Andererseits sitzen in Standardisierungsgremien Entwickler, Anwender und Hersteller eng beisammen und entscheiden gemeinsam, welche neuen Technologien in Standards aufgenommen werden sollen. Das gewährleistet, dass neue Technologien frühzeitig breit vom Markt aufgenommen werden und damit langfristig erfolgreich sind.
elektro AUTOMATION: Gibt es ein Beispiel für diese Weiterentwicklung von Standards?
Hauser: Bereits 2016 wurde die neue Version 2.0 des SMARC-Standards von der SGET verabschiedet, in der Kontron ein Gründungs- und Vorstandsmitglied ist. SMARC 2.0 öffnet Anwendern das Tor zum Internet der Dinge (IoT) und trifft somit den Nerv der Zeit. Viele Embedded-Systeme basieren auf SMARC, einem Standard-Formfaktor für Computer-on-Module (COMs), vor allem für kompakte SoCs und Low-Power-Prozessorarchitekturen. Der SMARC-Standard zeichnet sich durch kleine Abmessungen, Industrietauglichkeit, hohe Stabilität und einer Vielzahl an industriellen und Multimedia-Interfaces sowie die Kompatibilität mit ARM und X86 aus. Seine Einsatzbereiche reichen vom Automationsmarkt bis hin zu Grafik- und Bild-zentrierten Geräten, die einen niedrigen Energieverbrauch aufweisen und extremen Umweltbedingungen trotzen müssen.





