Die Fragen stellten Johannes Gillar und Andreas Gees, stv. Chefredakteure elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Herr Müller, Begriffe wie Industrie 4.0 und Digitalisierung beschreiben den Wandel, den die Industrie in den kommenden Jahren vollziehen wird. Wie ändert sich damit die Rolle des Sensorherstellers Sick?
Bernhard Müller (Sick): Der Sensor ist der Generator aller Daten, und weil er immer mehr komplexe Daten generiert, wird er zukünftig auch dafür zuständig sein, diese Daten zu strukturieren. Ziel ist es, daraus Informationen zu gewinnen, die einen Mehrwert und ein vollständiges Bild seiner Umgebung schaffen. Ausgehend von der wachsenden Datenmenge wird mehr IT in den Sensoren erforderlich sein, sodass ein Sensorhersteller mehr Software- und Analytik-Kenntnisse erwerben muss. Da Sensoren zunehmend umfangreiche Informationen bereitstellen, müssen Sensorhersteller dem Edge-Computing besondere Aufmerksamkeit widmen. Der Sensor bleibt der essenzielle Teil eines Prozesses, deshalb werden wir uns verstärkt mit den Applikationen beschäftigen. Damit sind dann auch neue Geschäftsmodelle denkbar, oberhalb der eigentlichen Sensorik-Ebene. Sick bleibt jedoch ein Sensorspezialist, dass ist unser Basisgeschäft.
elektro AUTOMATION: Wenn sich jetzt die Sensorhersteller in die Bereiche IT und Cloud bewegen, wie unterscheiden sie sich von den Automatisierungsanbietern, die aus Steuerungen Daten in die Cloud liefern und das Thema lloT ebenfalls intensiv bedienen?
Müller: Die Steuerung, so wie wir sie heute kennen, wird sich grundlegend verändern. Intelligente Sensoren und Aktoren können in Zukunft als Alternative zur SPS Quelle von Daten und Informationen für die übergeordneten Applikations-Ebenen sein. Unser Alleinstellungsmerkmal bleibt die Spezifität der Sensoren sowie ihre hohe Qualität. Wir bei Sick kennen uns mit den Applikationen aus, wir wissen, wo die Sensorik eingesetzt wird und kennen die Prozesse der Kunden. Möchten wir tiefer in die Kundenapplikation einsteigen, müssen wir das entsprechende Know-how weiter ausbauen. Dadurch differenzieren wir uns bei Sick schon immer.
elektro AUTOMATION: Wie würden Sie den Sensor der Zukunft beschreiben. Der Sensor, wie man ihn bisher kennt, liefert Parameter für die Echtzeitsteuerung. Der Sensor der Zukunft hat mehr Funktionen?“
Müller: In der Frage steckt ein weiterer Aspekt. Ziel laut Acatech-Modell (Red.: Industrie 4.0 Maturity Index, www.acatech.de) sind letztendlich auch selbststrukturierende Prozesse. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Die Echtzeitsteuerung wird weiterhin ihre Aufgaben übernehmen, aber der Sensor der Zukunft erfüllt seine Aufgaben über die Echtzeitsteuerung hinaus. Heutige Sensoren bieten ihre Basis-Funktionalität, liefern jedoch zusätzliche Informationen über ihr Umfeld, ob über Temperatur, Feuchte, Lichtstärke, Helligkeit, Verschleiß, Lebensdauer, Verschmutzungsgrad oder Vibration. Diese zusätzlichen Informationen können wir nutzen, um neue Erkenntnisse über Prozesse oder Maschinen zu gewinnen, ohne sie in die Echtzeit-Steuerung einfließen zu lassen.





