Interview: Michael Corban und Andreas Gees, Chefredaktion KEM Konstruktion
elektro AUTOMATION: Welche Rolle will Phoenix Contact in der Prozessautomatisierung spielen und in welcher Form kann bzw. möchte das Unternehmen an der Digitalisierung in der Prozessindustrie mitwirken?
Mathias Füller (Vice President Vertical Market Management Process Industry, Phoenix Contact): Wir sind schon lange in der Prozessindustrie aktiv und gehören hier zu den renommierten Anbietern von Kommunikations- und Automatisierungstechnik. Unter dem Motto ‚Digitalisierung – Open & Secure‘ wollen wir diesen Industriebereich auch in Zukunft prägen. Die Basis für unsere Offenheit und unsere standardisierten Digitalisierungslösungen bildet das Ecosystem PLCnext Technology. Die Plattform umfasst umfangreiche Funktionalitäten. Sie stellt in puncto Offenheit eine sehr große Bandbreite bereit – und das mit der klassischen Realtime-Funktion sowie offenen Interfaces bis hin zur Cloud Connectivity zu den verschiedenen Cloud-Anbietern. Hinzu kommen die flexible Integration von Open-Source-Software, Download-Fähigkeit von Apps, Einbindung unterschiedlicher Programmiersprachen und -umgebungen sowie das Konzept des vernetzten Arbeitens.
elektro AUTOMATION: Das NOA-Konzept sieht vor, Daten aus dem Feld vorbei an den Ebenen der Pyramide in der Cloud zur Verfügung zu stellen. Das ist eigentlich nur der erste Schritt auf dem Weg zur Digitalisierung. Wie könnte es weitergehen? Wie weit können Sie die Anwender auch bei der effektiven Nutzung der gewonnenen Informationen unterstützen? Welchen Nutzen bringt letztendlich die Digitalisierung in der Prozesstechnik?
Füller: Mit dem Konzept der Namur Open Architecture (NOA) ist es möglich, Daten rückwirkungsfrei aus der klassischen Automatisierungspyramide auszulesen. Dabei sollen alle verfügbaren Daten (Seriennummer, Wartungsstatus, Firmwarestand, aktuelle Konfiguration, …) eines Sensors abgegriffen werden. Die Lösung identifiziert automatisiert die Feldgeräte, standardisiert die Daten gemäß Namur Open Architecture Information Model und sendet die Informationen über OPC UA (Open Platform Communications Unified Architecture) an das Leitsystem oder in die Cloud. Es wird bereits intensiv an der Ausweitung des Standards gearbeitet. So wurde die Erweiterung um sogenannte Vitalitätsdaten für pH-Messgeräte diskutiert und in Pilotanlagen umgesetzt, um diese Informationen für Anwendungsfälle im Bereich Predictive Maintenance oder Condition Monitoring in der Prozessanalysetechnik (PAT) zu verwenden.
elektro AUTOMATION: Einer der Grundgedanken von Industrie 4.0 beschreibt die Flexibilität der Produktionsmittel: Ein Werkstück soll sich dabei die erforderlichen Produktionsanlagen selbst suchen und die Produktionsanlagen stellen sich dabei auf geeignete Weise so zusammen, dass die Fertigung optimal möglich ist. Von diesem Szenario ist allerdings die Fertigungsautomatisierung noch ein Stück entfernt. Ist dieses Szenario in der Prozessindustrie mit ihren Batch-Prozessen realistisch – oder anders formuliert: Welche Rolle spielen tatsächlich z.B. kundenindividuelle Rezepturen?





