Martin Klapdor, Senior Solutions Architect bei Netscout in Deutschland
1. Produktionsschritte nachvollziehen 2. Blockchain auch für IIoT einsetzbar 3. Zentrale Rolle spielt der DNS-Dienst 4. Service Assurance bei DNS-Anomalien 5. Netzwerke fit machen für Blockchain
Die Fertigungsindustrie ist laut HP Enterprise eine von vier Branchen, die von der Blockchain-Disruption betroffen sind. Die Technologie werde die Industrie in den kommenden Jahren maßgeblich beeinflussen und eigne sich besonders für den Einsatz in der Supply Chain. Denn hier sind viele beteiligte Unternehmen und Bereiche wie Beschaffung, Produktion, Einkauf, Logistik und Finanzen miteinander verknüpft. Und die Blockchain kann für alle an der Supply Chain Beteiligten zu einer deutlich höheren Transparenz und rechtssicheren Nachvollziehbarkeit aller Prozesse führen. Im Fertigungsumfeld kann die Kette zudem eingesetzt werden, um Produktsicherheit und Schutz von geistigem Eigentum zu validieren.
So hat etwa der PLM-Dienstleister Prostep eine Lösung in der Blockchain für die additive Fertigung entwickelt. Diese soll den 3D-Druck für zu ersetzende Bauteile, etwa in Flugzeugen oder Fahrzeugen, sicher und nachvollziehbar gestalten. Dabei liegen sämtliche Prozesse in der Kette, um geistiges Eigentum des Bauteileherstellers, die Herkunft und Originalität des Produktes sowie mögliche Garantie- und Haftungsfragen zu verifizieren. Dazu wird der gesamte Prozess von der Entstehung der 3D-Duckdaten über den Austausch mit einem Druck-Dienstleister und abgesicherten 3D-Druckern bis zur Identifizierung der gedruckten Bauteile abgebildet. Die Blockchain sorgt dafür, dass die Daten nicht verfälscht und nur in der lizensierten Anzahl durch den autorisierten Empfänger gedruckt werden können. So sollen die Rechte und Pflichten aller Beteiligten geschützt werden.
Über die Blockchain können aber auch ganze Fertigungsanlagen gesteuert werden. T-Systems Deutschland nutzt dazu eine Track-and-Trace-Lösung von Roambee, die in der Blockchain liegt. Auf diese Weise kann die Lösung sämtliche Komponenten, Maschinen und Roboter steuern und somit bisherige Steuerungssoftware ersetzen. Sämtliche Prozessschritte sind zudem rückverfolgbar.
Produktionsschritte nachvollziehen
Die Blockchain kann als dezentrale Datenbank verstanden werden. In dieser werden Datensätzen über Transaktionen als Datenkette in Blöcken (Blockchain) gespeichert. Die Datenbank enthält dabei alle Transaktionen, die jemals durchgeführt wurden – wie etwa Geldströme. Es können jedoch nur Transaktionen zur Blockchain hinzugefügt, nicht aber entfernt oder geändert werden. Und obwohl die Blöcke öffentlich sichtbar sind, stehen ihre Inhalte nur den Teilnehmern mit dem richtigen Schlüssel zur Verfügung. Transaktionen müssen vor der Akzeptanz zudem erst von mehreren Parteien autorisiert werden. Die Blockchain liegt dabei auf hunderten von Servern weltweit, was diese extrem fälschungssicher macht. Produktionsdaten, Messwerte und Verträge, die über die Blockchain abgewickelt werden, können in Echtzeit von verschiedenen Parteien, etwa Produzenten oder Lieferanten im System eingesehen werden. So weiß jede Partei, wo welche Teile gerade in welcher Qualität vorliegen. Und genau dieser Umstand soll auch die Supply Chain transparenter machen. Da die Wertschöpfungs- und Lieferketten vieler Hersteller komplex aufgebaut sind, kann es schnell zu Fehlern kommen. Das ist bei bestehenden, teils redundanten Trackingsystemen häufig der Fall. Hinzu kommt, dass Änderungen in diesen relationalen Datenbanksystemen meistens nicht nachvollzogen werden können. Die Blockchain-Technologie liefert diese Informationen hingegen genau und sofort, indem sie die Änderungen für jede Partei sichtbar und irreversibel dokumentiert.





