Martin Klapdor, Senior Solutions Architect, Netscout, Westford/MA USA
Der Begriff Ransomware umfasst alle Arten von Malware, die Benutzer aus ihren IT-System ausschließen. Das Wort ransom steht im Englischen für das Wort Lösegeld und beschreibt die Vorgehensweise der Erpresser: Über Phishing-Mails mit schädlichen Anhängen oder über den Besuch präparierter Webseiten gelangt schädliche Software in das System und aktiviert sich nach einer vorprogrammierten Zeit selbst. Oft wird dann der Bildschirm des Benutzers gesperrt oder seine Dateien mehrfach verschlüsselt. Dem Geschädigten wird eine Frist für eine Lösegeldzahlung gesetzt. Nach der Bezahlung versenden die Erpresser einen Entschlüsselungscode oder geben den Zugriff auf das System wieder frei. Zahlt das Opfer nicht innerhalb der gesetzten Frist, drohen die Hacker mit unwiderruflichem Datenverlust.
Lösegeldforderungen häufig nur zweitrangig
Zunächst waren nur Privatanwender betroffen, doch schnell erkannten die Cyberkriminellen, dass sie durch die Erpressung von Unternehmen größere Ertragsaussichten generieren können. Denn aufgrund der Verschlüsselung und dem damit drohenden Verlust von geschäftskritischen Daten sind Unternehmensentscheider eher dazu bereit, den Forderungen der Hacker nachzukommen. Moderne Ransomware verbreitet sich wie ein Wurm und kann über einen einzigen befallenen Zugang das komplette Netzwerk des Unternehmens einnehmen. Besonders KMU gelten als gefährdet, weil sie im Gegensatz zu großen Konzernen oft nicht über genügend Ressourcen verfügen, um sich entsprechend zu wappnen. Laut einer Studie von Osterman Research wurden im letzten Jahr 34 % der deutschen KMU Opfer einer Cyberattacke.
Die Lösegeldforderungen der Erpresser sind dabei nicht das größte Problem der kleinen und mittelständischen Unternehmen: Häufig beträgt die geforderte Summe im Durchschnitt nur einen kleinen vierstelligen Betrag. Wirklich geschäftskritisch ist der Betriebsausfall, der durch ein verschlüsseltes System hervorgerufen wird. Von den betroffenen Unternehmen mussten laut der Studie 21 % ihre Tätigkeiten umgehend einstellen. Viele der infizierten KMU berichteten von etwa 25 ausgefallenen Arbeitsstunden als Folge eines Ransomware-Befalls. Bei jedem Zwanzigsten betrug die Ausfallzeit sogar mehr als 100 Arbeitsstunden.
Vorbeugende Maßnahmen sind der beste Schutz
Diese Ausfallzeiten sind auch ein Grund dafür, dass das Bewusstsein der Unternehmen für Cyberangriffe zunimmt. Trotzdem gibt es immer noch Unsicherheiten bezüglich der Infektionswege und den besten Methoden zur Abwehr von Ransomware-Attacken. Der Digitalverband Bitkom rät beispielsweise, dass Unternehmen sich nicht auf eine solche Erpressung einlassen sollen. Denn ob nach Bezahlung des verlangten Lösegelds die Daten wirklich entschlüsselt würden, sei höchst ungewiss.





