Martin Kluge, Leiter Produktmanagement Automation Systems, Lenze
Inhaltsverzeichnis
1. Zwei Standardwege zum Ziel 2. Mehr PS im Controller 3. Kombination aus SPS und PC 4. IT meets OT 5. Controller schieben die Leistungsgrenze Speicherprogrammierbarer Steuerungen nach oben
Es klingt wie ein Widerspruch: Einerseits verlangen die Anwender höhere Flexibilität, die sich in mehr Robotik-Anwendungen, mehr Antriebsachsen und komplexeren Steuerungen niederschlägt. Auf der anderen Seite sollen zusätzliche Connectivity und wachsende Datenvolumen, beispielsweise aus dem vermehrten Einsatz von Bild- und Videotechnik, die für intelligentere Steuerungs- und Regelprozesse benötigt werden, die Effizienz verbessern und wenn möglich sogar Kosten senken. Dabei benötigt die smarte Produktion eigentlich mehr Ressourcen, bis hin zu neuen Technologien wie Machine Learning oder künstliche Intelligenz. Rechenkapazitäten und Speicherausstattung von üblichen Steuerungen halten mit dieser Entwicklung kaum noch Schritt. Für die IT ist ein solches Szenario kein Problem: Die Cloud stellt quasi unendliche Ressourcen zur Datenspeicherung und -verarbeitung zur Verfügung, bei Bedarf auch virtuelle Umgebungen mit unterschiedlichen Betriebssystemen. Doch auf dem Shopfloor gelten andere Gesetze. Begrenzte Netzwerkkapazitäten und Kostenaspekte setzen dem Cloud-Einsatz in kritischen Bereichen der Automation Grenzen.
Zwei Standardwege zum Ziel
Von Generation zu Generation steigert sich die Leistungsfähigkeit der CPUs, das gilt für PCs genauso wie für Industrie-Controller. Damit kein Flaschenhals entsteht, müssen Kapazität und Schreib-/Lese-Geschwindigkeit des Arbeitsspeichers Schritt halten. Bedingt durch die heute üblicherweise eingesetzten Steuerungs-Prozessoren, bieten jedoch modernere SPSen nur begrenztes Potenzial zur Leistungssteigerung. Mehr Rechenpower verspricht dagegen der Einsatz von PC-Technik, die zudem die von manchen Anwendungen benötige Windows-Umgebung bereitstellt. Dieser Ansatz erfordert jedoch mehr Aufwand im Engineering, zudem belegen Industrie-PCs – womöglich in Kombination mit einer physischen SPS – mehr Raum im Schaltschrank und erfordern zusätzliche Verkabelungen.
Mehr PS im Controller
Mit dem Cabinet Controller c550, der das Portfolio nach oben erweitert, zeigt Lenze, Hameln, nun eine Alternative für leistungshungrige Automationsaufgaben auf. Den Grundstein legt der Intel-Prozessor Core i7-7600U mit zwei Kernen und 2,8-GHz-Taktung. Diese CPU definiert die Performance-Grenze für Steuerungen neu. OEMs müssen deshalb selbst bei komplexen Aufgaben keine Leistungseinbrüche des Controllers mehr fürchten. Der c550 bietet Rechenpower satt und tritt damit in Konkurrenz zu Lösungen, für die aufgrund der reinen Leistungsanforderungen bisher nur Industrie-PCs in Frage kamen. Stattdessen kann der Maschinenbauer nun auf den kleineren Formfaktor der SPS zurückgreifen und dabei auch weiterhin die Standard-Software-Bausteine der FAST-Toolbox des Herstellers einsetzen. Das gilt sowohl für vorgefertigte Module wie für selbst entwickelte Bausteine. Ebenso können bereits existierende Programme beziehungsweise Programm-Module nach IEC 61131-3 und Projekte auf Basis der Codesys-Programmierumgebung weiterverwendet werden.





