Interview: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Herr Johne, wollen Sie uns kurz die Zielsetzung Ihres digitalen Assistenten erläutern?
Ralf Johne (Niehoff): Wir wollen dem Kunden assistieren und ihm ermöglichen, leichter einen besseren Überblick über den Zustand seiner Maschine zu erhalten – sprich die Transparenz steigern. Hauptfokus ist dabei, die Produktivität der Maschine – fast alle unsere Maschinen laufen 24 Stunden an 7 Tagen – zu erhalten und Störungen von vornherein auszuschließen oder zumindest dafür zu sorgen, dass diese schnellstmöglich behoben werden können. Transparenz hilft, weg von ungeplanten Ausfällen hin zu geplanten Stillständen zu kommen, in denen sich Wartung und Service gezielt und geplant durchführen lassen. Anders formuliert: Mit dem digitalen Assistenten wollen wir die Gesamtanlageneffektivität oder im Englischen Overall Equipment Effectiveness (OEE) erhöhen.
elektro AUTOMATION: Messen Sie die OEE und setzen Sie dazu auf den Einbau zusätzlicher Sensorik?
Johne: Das ist nicht erforderlich – unser digitaler Assistent holt vor allem mehr Informationen aus der Maschine heraus und ermöglicht deren Nutzung. So lässt sich etwa leicht anhand eines Temperaturanstieges erkennen, dass die Reibung steigt und Verschleiß die Ursache ist. Über eine Reihe von maschinenspezifischen Kennwerten kann der Anwender also mit Hilfe des digitalen Assistenten schnell erkennen, wann und wo ein Austausch erforderlich ist. Das gibt ihm die Möglichkeit, per vorausschauender Wartung (Predictive Maintenance) weg von ungeplanten Ausfällen zu geplanten Stillständen zu kommen. Von unseren Kunden haben wir dazu das Feedback erhalten, dass sie nun nicht nur den Zustand der Maschinen klar erkennen können, sondern auch eine strukturierte Analyse möglich ist. Bleibt eine Maschine stehen, ist schnell klar, ob es sich um einen Produkt- oder Maschinenfehler handelt. Basierend auf diesen Erkenntnissen, insbesondere der Historie im Monitoring, lässt sich die Produktivität weiter steigern.
elektro AUTOMATION: Greifen Sie denn schon direkt in die Steuerung des Fertigungsprozesses ein?
Johne: Nein, mit dem digitalen Assistenten erhalten wir die Informationen, steuern aber ganz bewusst nicht die Maschine selbst. Der Regelkreis soll in der Maschine verbleiben, so dass auch die Problematik eines Fernzugriffs erst gar nicht auftritt. In gewisser Weise ist das auch der Clou des digitalen Assistenten: Allein dadurch, dass wir die bereits heute in der Maschine beziehungsweise der Steuerung verfügbaren Informationen leichter sammeln und auswerten können, lässt sich die Produktivität deutlich erhöhen. Dass verdeutlicht die enormen Chancen, die sich mittels Digitalisierung nutzen lassen. Wir erhalten über unser Monitoring schon im ersten Schritt deutlich mehr Transparenz – ohne Eingriff in die Maschinensteuerung.





