Produktionsumgebungen rücken zunehmend in den Fokus von Cyberangreifern – nicht zuletzt, weil die fortschreitende Vernetzung im Zuge von Industrie 4.0 und IIoT die Angriffsfläche kontinuierlich vergrößert. Wie verwundbar selbst strukturierte Laborumgebungen sein können, zeigt ein Penetrationstest, den das Cybersecurity-Unternehmen 8com an der Modellfabrik der Technologie-Initiative SmartFactory-KL durchgeführt hat. Über die Ergebnisse berichtet die Hannover Messe.
Bei dem sogenannten Pentest simulieren spezialisierte Sicherheitsexperten reale Angriffe auf IT- und OT-Systeme, um Schwachstellen zu identifizieren, bevor diese von tatsächlichen Angreifern ausgenutzt werden können. 8com ist Mitglied der SmartFactory-KL und nutzte den Test nicht nur zur Bestandsaufnahme der Sicherheitslage, sondern auch zur praxisnahen Weiterentwicklung der eigenen OT-Pentest-Kompetenzen an echten Produktionsmodulen.
Die Ergebnisse illustrieren typische Schwachstellenmuster, die in industriellen Umgebungen verbreitet sind: unsichere Gerätekonfigurationen, unverschlüsselte Kommunikationsprotokolle, unzureichende Netzwerksegmentierung sowie der Einsatz von Standardzugangsdaten. In der Kombination können diese Schwächen Angreifern den Weg bis zur direkten Steuerung von Produktionsanlagen ebnen – mit potenziell weitreichenden Folgen für Verfügbarkeit und Integrität der Fertigung.
Aus Marktperspektive ist der Ansatz bemerkenswert: Die SmartFactory-KL fungiert als neutrales Testfeld, an dem Hersteller, Integratoren und Forschungseinrichtungen gemeinsam reale Produktionsszenarien erproben. Die Nutzung dieser Infrastruktur für offensive Sicherheitstests schließt eine Lücke, die in vielen Betrieben besteht – denn Pentests an laufenden Produktionslinien sind aus Verfügbarkeitsgründen oft schwer durchführbar. Modellfabriken bieten hier einen kontrollierten Rahmen, der realitätsnahe Angriffsvektoren abbildet, ohne den Betrieb zu gefährden.
Der Bedarf an OT-Sicherheitslösungen wächst branchenweit. Regulatorische Anforderungen wie die NIS2-Richtlinie der EU verpflichten Betreiber kritischer Infrastrukturen und einen erweiterten Kreis von Industrieunternehmen dazu, Risikomanagement und Sicherheitsmaßnahmen systematisch nachzuweisen. Penetrationstests gelten dabei als anerkanntes Instrument zur Schwachstellenidentifikation und zur Vorbereitung auf Audits.
Für Automatisierungsbetreiber liefert der Bericht konkrete Handlungsfelder: Netzwerksegmentierung auf Zellebene, der Ersatz unverschlüsselter Industrieprotokolle durch sichere Varianten sowie ein konsequentes Credential-Management zählen zu den grundlegenden Maßnahmen, die der Test als Priorität ausgewiesen hat. Die Zusammenarbeit zwischen 8com und SmartFactory-KL unterstreicht zudem den Trend zur stärkeren institutionellen Verzahnung von Automatisierungs- und Cybersecurity-Kompetenz – eine Entwicklung, die angesichts zunehmend vernetzter Fertigungsarchitekturen an strategischer Bedeutung gewinnt.
Quelle: Hannover Messe News – https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/angriffssimulation-schuetzt-industrieanlagen





