Phoenix Contact erweitert seine Engineering-Plattform PLCnext Engineer um generative KI-Funktionalität. Laut Unternehmensangaben reagiert der Blomberger Automatisierungsspezialist damit auf drei strukturelle Belastungsfaktoren, die Industrieunternehmen derzeit gleichzeitig treffen: wachsende Softwarekomplexität in der Steuerungstechnik, verkürzte Innovationszyklen sowie den anhaltenden Fachkräftemangel im Bereich industrieller Automatisierungssoftware.
PLCnext Engineer ist die integrierte Entwicklungsumgebung des PLCnext-Technology-Ökosystems von Phoenix Contact, das auf offenen Standards wie IEC 61131-3 sowie hochsprachlichen Programmiermodellen in C++ und C# basiert. Die Plattform richtet sich an Maschinen- und Anlagenbauer, die modulare, skalierbare Steuerungsarchitekturen umsetzen wollen. Die Integration generativer KI zielt darauf ab, Programmierprozesse zu beschleunigen und den Einstieg für weniger erfahrene Entwickler zu erleichtern.
Der Ansatz reiht sich in eine breitere Bewegung ein, die sich seit 2023 im Markt für industrielle Engineering-Software abzeichnet. Verschiedene Anbieter von Automatisierungssoftware – darunter Siemens mit TIA Portal-integrierten KI-Assistenten sowie Beckhoff im Bereich TwinCAT – erproben generative Modelle zur Code-Generierung, Fehlerdiagnose und Dokumentation. Analysten gehen davon aus, dass KI-gestützte Entwicklungswerkzeuge mittelfristig zu einem Standardmerkmal professioneller Engineering-Umgebungen werden.
Für den Markt ist der Zeitpunkt strategisch relevant: Der Mangel an qualifizierten SPS-Programmierern und Automatisierungsingenieuren gilt in vielen europäischen Industrieregionen als wachsendes Engpassrisiko. Generative KI kann in diesem Kontext eine Doppelfunktion übernehmen – als Produktivitätshebel für erfahrene Entwickler und als Onboarding-Werkzeug für Einsteiger, die komplexe IEC-61131-Strukturen oder objektorientierte Steuerungsprogrammierung noch nicht vollständig beherrschen.
Gleichzeitig stellen sich in industriellen Umgebungen spezifische Anforderungen an KI-generierte Steuerungssoftware, die über den Consumer- oder IT-Bereich hinausgehen: Deterministisches Laufzeitverhalten, Sicherheitszertifizierungen und Rückverfolgbarkeit von Codeänderungen sind in der Maschinensteuerung nicht verhandelbar. Wie Phoenix Contact diese Anforderungen mit dem Einsatz generativer Modelle in Einklang bringt – etwa durch validierte Code-Templates, menschliche Freigabeschritte oder eingeschränkte Generierungsbereiche – ist für die praktische Einsatztauglichkeit entscheidend.
Die Ankündigung unterstreicht den wachsenden Stellenwert von Software als Differenzierungsmerkmal im Automatisierungsgeschäft. Phoenix Contact positioniert PLCnext Technology seit Jahren als offene, ökosystemorientierte Alternative zu proprietären Steuerungsplattformen. Die KI-Integration fügt dieser Strategie eine weitere Dimension hinzu und dürfte den Wettbewerb um Entwicklerzufriedenheit und Plattformbindung weiter intensivieren.
Quelle: Phoenix Contact – https://www.pressebox.de/pressemitteilung/phoenix-contact-gmbh-co-kg/phoenix-contact-integriert-generative-ki-in-die-engineering-umgebung-plcnext-engineer/boxid/1312675





