Phoenix Contact erweitert das elektronische Geräteschutzsystem Caparoc um ein IIoT-Framework, das die Kommunikationsfähigkeiten der Plattform deutlich ausbaut. Damit positioniert das Blomberger Unternehmen sein Schutzgeräte-Portfolio an der Schnittstelle von klassischer Niederspannungsverteilung und digitaler Fabrikinfrastruktur – einem Bereich, der in der Automatisierungsbranche zunehmend an strategischer Bedeutung gewinnt.
Caparoc ist als elektronisches Sicherungssystem konzipiert, das herkömmliche Sicherungsautomaten in der 24-V-DC-Lastkreisabsicherung ersetzt. Der wesentliche Vorteil elektronischer Geräteschutzschalter gegenüber konventionellen Lösungen liegt in der selektiven Abschaltung einzelner Stromkreise ohne Beeinflussung benachbarter Lasten sowie in der deutlich schnelleren Auslösecharakteristik. Mit dem IIoT-Framework kommt nun eine Kommunikationsebene hinzu, die diese Betriebsdaten für übergeordnete Systeme nutzbar macht.
Aus Marktperspektive schließt Phoenix Contact damit eine Lücke, die in vielen Produktionsumgebungen noch besteht: Während Antriebe, Steuerungen und Sensoren längst in Industrie-4.0-Architekturen eingebunden sind, blieb die Energieverteilung auf Klemmenebene häufig ein blinder Fleck. Die Fähigkeit, Stromkreisdaten – etwa Lastzustände, Auslöseereignisse oder Trends im Energieverbrauch – in Echtzeit an SCADA-Systeme, Edge-Devices oder Cloud-Plattformen zu übermitteln, eröffnet Anwendungen im Bereich Predictive Maintenance und Energiemanagement.
Der Schritt ist eingebettet in einen breiteren Trend: Laut aktuellen Marktanalysen wächst das Segment intelligenter Niederspannungskomponenten überdurchschnittlich, getrieben durch regulatorische Anforderungen an die Energieeffizienz (u. a. EU-Energieeffizienzrichtlinie) sowie durch den steigenden Automatisierungsgrad in Fertigungs- und Prozessindustrie. Anbieter wie Siemens mit dem Sentron-Portfolio, Eaton mit seiner xEnergy-Plattform oder Weidmüller im Bereich elektronischer Schutzschalter verfolgen vergleichbare Strategien der Digitalisierung von Energieverteilungskomponenten.
Für Maschinenbauer und Anlagenbetreiber ergibt sich durch die IIoT-Integration ein konkreter Mehrwert: Statt auf den ungeplanten Ausfall eines Stromkreises zu reagieren, können Betriebsdaten genutzt werden, um Wartungsintervalle zustandsbasiert zu planen. Dies ist besonders relevant in Umgebungen mit hoher Anlagenverfügbarkeitsanforderung, etwa in der Halbleiterfertigung, der Lebensmittelindustrie oder in Rechenzentrumsinfrastrukturen.
Phoenix Contact setzt bei der Integration auf offene Kommunikationsstandards, was die Einbindung in herstellerunabhängige Automatisierungsarchitekturen vereinfacht. Die Frage, welche Feldbus- oder Ethernet-basierten Protokolle das Framework konkret unterstützt – etwa PROFINET, EtherNet/IP oder OPC UA – ist für die Bewertung der Integrationskomplexität in bestehende Anlagen entscheidend und sollte bei der Projektplanung frühzeitig geprüft werden.





