Dr.-Ing. Lutz Jänicke, Corporate Product & Solution Security Officer, Phoenix Contact GmbH & Co. KG, Blomberg
1. ISMS in Richtung Produktion erweitern 2. Besonderheiten des Automatisierungsumfelds berücksichtigen 3. Einsatz externer Schutzmaßnahmen notwendig 4. Portfolio bewährter Schutzlösungen verfügbar 5. Security im kompletten Lebenszyklus verankert
Beim Vergleich der Bereiche Office-IT und industrieller Automatisierungswelt (Industrial Control Systems, ICS) wird gerne auf die Unterschiede bei den Prioritäten sowie den Bedingungen für einen Neustart der Systeme, dem Patch-Management und der Lebenszeit der Hardware hingewiesen. Dabei sind die Herausforderungen in der Automatisierung hinreichend erkennbar: Jede Störung der Prozesse resultiert in einer verminderten Produktivität. Zudem lassen sich Schwachstellen nur eingeschränkt beseitigen, weil die Maschinen und Anlagen teilweise nicht neu gestartet werden können und jede Änderung an einem Automatisierungssystem das Risiko weiterer Fehlfunktionen nach sich zieht. Da im Mittelpunkt ein physischer Prozess steht, der durchzuführen ist, richtet sich die Lebensdauer einer Maschine oder Anlage nicht an typischen IT-Zyklen aus.
Als unzutreffend erweist sich jedoch die Annahme, dass es in der IT-Umgebung des Office-Bereichs keine entsprechenden Probleme gibt. Sicher sind Büro-PCs weniger kritisch, will heißen bei einem Ausfall ist die Effizienz der Arbeit einzelner Mitarbeiter eventuell eingeschränkt. Die Abhängigkeit von Hardware zeigt sich ebenfalls als nicht so hoch, solange keine besonderen Anforderungen gestellt sowie Virtualisierungs-Technologien, Betriebssysteme und Applikationen kompatibel unterstützt werden. Tatsächlich verursacht die Versorgung mit hochverfügbarer Rechenleistung in modernen Virtualisierungs-Umgebungen keine Probleme.
ISMS in Richtung Produktion erweitern
In der Regel werden IT-Komponenten selbst ausgewählt und beschafft, sodass die Administration und Organisation von Updates in der Hand des jeweiligen Betreibers liegen. Ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl unterhalten viele Unternehmen allerdings zentrale Dienste, ohne die im Büroumfeld wenig und im Automatisierungsbereich so gut wie nichts funktioniert. Dabei handelt es sich beispielsweise um zentrale Netzwerkfunktionen, die Benutzerverwaltung als Basisaufgabe sowie das ERP-System (Enterprise Resource Planning), das für die Verwaltung der Aufträge, den Einkauf von Material sowie die Abwicklung der Produktion und Logistik zuständig ist. Diese Dienste sind somit genauso „mission critical“ wie die eigentliche Fertigung und werden daher ebenso widerwillig angefasst.
Beispiele über spektakulär gescheiterte Migrationsprojekte im ERP-Umfeld finden sich reichlich in der Literatur. Konsequenterweise können Installationen auch im IT- und Büroumfeld sehr lange Nutzungszeiträume haben, also veraltete Applikationen auf unzeitgemäßen Betriebssystemen laufen – mit allen negativen Folgen für die Zugriffssicherheit.





