Joachim Koppers, Leiter Working Group Security, Profibus & Profinet International
Das Thema Security ist für die Kommunikationsspezialisten nichts Neues. So hat PI (Profibus & Profinet International) bereits im Jahr 2005 ein Security-Konzept veröffentlicht, das in mehreren Schritten weiter detailliert wurde. Schon damals wurde deutlich, dass es nicht ausreicht, Anlagennetze und Automatisierungskomponenten zu schützen, sondern die eingesetzten Schutzmechanismen und Konzepte dürfen den Produktionsbetrieb nicht stören. Zudem müssen diese einfach umsetzbar und bezahlbar bleiben. Security ist außerdem ein Thema, das nie abgeschlossen ist – im Gegenteil. Die Bedrohungen, sei es durch mangelnde Sorgfalt oder durch Absicht, werden in Zukunft – gerade im Hinblick auf Industrie 4.0 und Internet of Things – sicher zunehmen.
Bevor Konzepte und Maßnahmen erarbeitet werden, muss erst einmal genau geschaut werden, wo mögliche Angriffspunkte liegen. Bei einer solchen Bedrohungsanalyse orientierte sich PI an bewährten Konzepten aus der Informationstechnologie. Eins davon ist das STRIDE-Prinzip, das sich aus den sechs Anfangsbuchstaben der nachfolgenden Begriffe zusammensetzt:
Auf diesen Fragen aufbauend wurden die schützenswerten Assets eines Profinet-Systems identifiziert, mögliche Bedrohungen aufgezeigt, diese bewertet, um anschließend Gegenmaßnahmen zu entwickeln. Dabei zeigte sich, dass zum Beispiel schon heute die Durchführung von Netzlasttests, die sogenannten Security-Level1-Tests, wichtiger Bestandteil bei der Zertifizierungsprüfung sind. Diese schützen in einem gewissen Umfang vor Denial-of-Service-Attacken. Auch das schon früh von PI eingeführte Zellenschutzkonzept hat immer noch Bestand.
Praxiserprobt: Das Zellenschutzkonzept
Man kann das Zellenschutzkonzept mit einer Zugangskontrolle in einem Betrieb vergleichen. Ähnlich wie ein Ausweis beim Betreten eines Unternehmens verlangt wird, wird beim Zellenschutzkonzept die Identität und die Zugangsberechtigung auch innerhalb des Betriebes beim Übergang in beispielsweise andere Gebäude erneut geprüft. Der erste Schritt zur Implementierung eines Zellenschutzkonzepts besteht in der Definition der sogenannten Security-Zellen. Jede Zelle kann wiederum aus einer oder mehreren untergeordneten Zellen bestehen und muss unabhängig von anderen als eigenständige Zelle funktionieren. Jede Zelle kann zudem eine unterschiedliche Anzahl von Komponenten haben. Alle in einer Zelle befindlichen Komponenten werden als vertrauenswürdig eingestuft, sodass innerhalb der Zellen keine weiteren Sicherheitsmaßnahmen für die Kommunikation erforderlich sind. Dieses Prinzip ist auch für die Nachrüstung bereits bestehender Anlagen empfehlenswert. Bei bereits definierten Zellen muss nur die Zugangskontrolle am Eingangspunkt der Zelle definiert werden. Dazu können klassische Security-Komponenten (z. B. Firewalls) verwendet werden. Ein großer Vorteil besteht darin, dass die Zelle durch Begrenzung der Bandbreite in der Security-Komponente vor Überlastung des Netzwerks geschützt und der Datenverkehr innerhalb der Zelle ungestört aufrechterhalten werden kann. Dies bedeutet, dass die Echtzeit-Kommunikation innerhalb der Zelle nicht beeinträchtigt wird.





