Andreas Gérard, Produktmanager Sensorik DACH bei Telemecanique Sensors
Der Onlinehandel hat in den vergangenen Jahren eine beispiellose Erfolgsgeschichte hingelegt und das Kaufverhalten nachhaltig verändert. Wenige Klicks, schon liegt die Montagezange neben dem Fernseher im digitalen Warenkorb. Einige Sekunden später ist die Bestellung abgeschlossen. Der voraussichtliche Liefertermin: Ein bis zwei Tage. Ob beim Frühstück, in der Mittagspause oder vor dem Schlafengehen, rund um die Uhr werden Waren verglichen, bestellt und gekauft. Und der Paketdienst klingelt am besten noch heute an der Tür.
Verfügbarkeit versus Stillstand
Mit dem rasanten Wachstum des E-Commerce sind auch die Anforderungen an die Logistik und die Vertriebszentren gestiegen. Immer mehr Waren müssen tagtäglich entgegengenommen und ausgeliefert werden. 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen die Woche laufen die Förderanlagen. Effizienz, Geschwindigkeit, Verfügbarkeit und durchgängige Lieferfähigkeit sind die Gebote der Stunde.
Der natürliche Feind dieser Bestrebungen ist seit jeher der Stillstand. Schon kleinere Störungen können die Logistikkette ins Wanken bringen und hohe Folgekosten nach sich ziehen. Um längere Ausfallzeiten und damit wirtschaftliche Schäden zu reduzieren, wurde in der Vergangenheit an zahlreichen Stellschrauben gedreht – immer mit dem Ziel, die Betriebszeit zu maximieren und die Ausfallzeit zu minimieren.
Die Auswirkungen einer Störung minimieren
Bei einer Störung gilt daher zu allererst: Schnell reagieren und das Problem ohne Umwege lösen. Ist beispielsweise ein Gerät defekt, muss es in kürzester Zeit repariert oder ausgetauscht werden können. Aber nicht immer ist die Ursache der Störung sofort ersichtlich. Hier können Remote-Ansätze hilfreich sein. Diese ermöglichen eine gezielte Ferndiagnose und in den meisten Fällen auch einen schnellen Zugriff auf die Anlage.
Ein Ansatz, ungeplante Stillstandszeiten bereits im Keim zu ersticken, kann unter dem Schlagwort Predictive Maintenance zusammengefasst werden. Dabei werden mit Hilfe intelligenter Sensoren und Tools zahlreiche Betriebsparameter der Anlage erfasst, analysiert und ausgewertet. Anhand der Ergebnisse können potenzielle Störungen rechtzeitig erkannt und durch proaktive Gegenmaßnahmen verhindert werden.
Schwachstelle Sensoren
Eine bekannte Stellschraube mit Blick auf die Betriebszeit ist die Fördertechnik. Denn wenn ein Förderband ausfällt, steht bald der gesamte Betrieb still. Eine weniger offensichtliche Stellschraube in der Fördertechnik sind die Sensoren. Diese werden üblicherweise an einem Haltewinkel seitlich vom Förderband angebracht. Gegenüber von den Sensoren liegen die Reflektoren, die ebenfalls an einem Haltewinkel montiert sind. Ein bewährter Ansatz, der aber auch Risiken birgt, da sowohl die Sensoren als auch die Reflektoren weitgehend ungeschützt und entsprechend anfällig für Fremdeinwirkungen sind. Es muss lediglich ein größeres Paket oder ein Mitarbeiter gegen die Konstruktion stoßen, schon ist der Sensor verstellt. In der Folge kann es passieren, dass Störungen angezeigt werden, die keine sind. Obwohl weit und breit kein Paket zu sehen ist, wird dann zum Beispiel an einer bestimmten Stelle dauerhaft ein Objekt detektiert und ein Stau gemeldet. Die Folge: Die Förderbänder stehen erst einmal still.





