Tobias Meyer, Fachjournalist, Zirndorf und Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION
1. Leistungsfähige Basis für Maschinenbau 4.0 2. Ausgewählte Lösungen im Überblick
Transportsysteme mit unabhängig voneinander steuerbaren Shuttles geben dem Maschinen- und Anlagenbau ein hochflexibles Mittel in die Hand, um Losgröße 1 zu den Kosten der Massenproduktion real werden zu lassen. Entsprechend macht die Entwicklung bei den Systemen für den Werkstücktransport derzeit große Sprünge und die Anbieter – aufgrund der Komplexität der Systeme vor allem Automatisierungsunternehmen – bringen derzeit Jahr für Jahr interessante Innovationen auf den Markt. Zur SPS IPC Drives 2017 stellte beispielsweise B&R sein Acopostrak vor, das ohne bewegte mechanische Elemente die Realisierung einer Weiche ermöglicht. Beckhoff Automation folgte 2018 mit seinem Xplanar, das erstmals das freie Verfahren in der Fläche ermöglicht.
Welches System sich für welchen Einsatzzweck eignet, hängt in hohem Maße von den Randbedingungen ab. Eine Rolle spielt sowohl was transportiert werden soll – und damit welches Gewicht, welche Geschwindigkeit und Beschleunigung sinnvoll sind – als auch der Grad der Individualisierung in der Fertigung. Hauptvorteil der einzeln ansteuerbaren Shuttles ist ja, dass der Anwender sie individuell über den Parcours schicken kann und eben keine fest vorgegebene Aneinanderreihung wie bei klassischen Werkstückträgersystemen beachtet werden muss. Gleichzeitig erklärt dies auch, warum im Anbieterfeld vorwiegend Automatisierer zu finden sind: Die steuerungstechnische Umsetzung erfordert tief gehendes Know-how und entsprechend leistungsfähige Hard- und Software. Erstaunlich ist, dass es heute dennoch gelingt, dem Anwender die Bedienung so einfach wie möglich zu machen. In den meisten Fällen genügt es, Start- und Zielpunkt anzugeben – den Rest erledigen die Programmier- und Parametrierlösungen automatisch (unter Berücksichtigung der Randbedingungen und damit möglicher Limitationen etwa bezüglich der maximalen Beschleunigung). Auch die Synchronisation mit Roboterbewegungen ist möglich, was zum Beispiel die Bearbeitung auf dem sich bewegenden Shuttle ermöglicht.
Leistungsfähige Basis für Maschinenbau 4.0
Mit den Shuttle-basierten Lösungen lassen sich also einzelne Werkstücke gezielt an unterschiedliche Bearbeitungsstationen führen. Losgröße 1 wird auf diese Weise in einer automatisierten Anlage beherrschbar. Dass selbst die Vordenker dieser Technik von den neuen Möglichkeiten fasziniert sind, zeigt unter anderem die Reaktion des Jacobs-Automation-Gründers Keith Jacobs auf LinkedIn anlässlich der Vorstellung von Acopostrak durch B&R. Für Jacobs repräsentiert diese Lösung die zweite Generation der ‚independent mover technology‘, die sich die Pioniere einst wünschten.






