Die SICK AG und das Fraunhofer-Institut für Angewandte und Integrierte Sicherheit AISEC haben gemeinsam das Risikobewertungstool QuBA-libre entwickelt und veröffentlicht. Das Tool richtet sich an Hersteller von industriellen Produkten wie Sensoren, Edge-Geräten und einfachen vernetzten Systemen und soll Cybersecurity-Bewertungen frühzeitig in den Produktentwicklungszyklus integrieren.
QuBA-libre arbeitet fragebogenbasiert. Entwicklungsteams durchlaufen ein strukturiertes Assessment, das Risiken schnell und präzise analysiert und bewertet. Das Open-Source-Tool generiert darüber hinaus automatisch Vorschläge für Gegenmaßnahmen zur Minderung oder Vermeidung identifizierter Risiken.
Nach Abschluss der Risikoanalyse erstellt QuBA-libre automatisch eine Maßnahmenliste. Diese fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet sie den Anforderungen des Cyber Resilience Act (CRA) zu. Der CRA ist die EU-Verordnung zur Cybersicherheit von Produkten mit digitalen Elementen, die Hersteller in den kommenden Jahren zur Einhaltung verbindlicher Sicherheitsanforderungen verpflichtet.
Für Hersteller industrieller Automatisierungskomponenten gewinnt das Thema Cybersecurity zunehmend an Bedeutung. Vernetzte Sensoren, Steuerungen und Edge-Geräte sind integraler Bestandteil von Industrie-4.0-Architekturen und damit potenzielle Angriffsflächen. Gleichzeitig steigt der regulatorische Druck: Der CRA schreibt vor, dass Hersteller Cybersicherheitsrisiken systematisch bewerten und dokumentieren müssen – und zwar produktbegleitend über den gesamten Lebenszyklus.
QuBA-libre setzt an einem kritischen Punkt an: der frühen Entwicklungsphase. Werden Sicherheitsanforderungen erst spät im Prozess berücksichtigt, entstehen in der Regel höhere Korrekturkosten und Verzögerungen. Ein toolgestützter Ansatz, der Risikoanalyse und CRA-Mapping automatisiert, kann den Aufwand für Entwicklungsteams reduzieren und die Nachvollziehbarkeit der Bewertungen verbessern.
SICK selbst nutzt QuBA-libre nach eigenen Angaben für die Entwicklung eigener Produkte. Die Veröffentlichung als Open-Source-Tool macht die Lösung auch für andere Hersteller zugänglich. Details zur Lizenzierung und zum Repository hat SICK bislang nicht vollständig kommuniziert; die Pressemitteilung vom 4. Dezember 2025 verweist auf die gemeinsame Entwicklung mit Fraunhofer AISEC.
Die Kooperation zwischen einem industriellen Sensorhersteller und einem auf angewandte IT-Sicherheit spezialisierten Forschungsinstitut spiegelt einen Trend wider: OT-Security und klassische IT-Sicherheitsexpertise wachsen in der Produktentwicklung zusammen. Für Automatisierungsanwender und Maschinenbauer, die selbst Produkte mit digitalen Schnittstellen entwickeln oder integrieren, könnte QuBA-libre ein praxisnaher Einstieg in eine strukturierte CRA-konforme Risikobewertung sein.
Quelle: SICK AG – https://www.sick.com/de/de/mit-quba-libre-cybersecurity-effizient-in-die-produktentwicklung-integrieren/w/press-2025-quba-libre





