Fragen: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Herr Jamal, die Smart Factory und damit smarte Produktion sowie das Internet of Things (IoT) treiben derzeit die Entwicklung voran, mitbeeinflusst durch das autonome Fahren im Fahrzeugbau. Sind das getrennte Phänomene oder hängen diese zusammen?
Rahman Jamal (National Instruments): Diese disruptiven Trends treiben nicht nur die Entwicklung voran, sondern stellen unsere existierenden Ökosysteme auch noch auf den Kopf. All diese Trends sind letztendlich Facetten des IoT – zum einen die kommerziellen Produkte wie Fitnesstracker, zum anderen die großen industriellen IoT-Systeme. Smart Mobility – also autonome Fahrzeuge – und Smarte Produktion, was wir in Deutschland gerne als ‚Industrie 4.0‘ bezeichnen, sind solche industriellen IoT-Systeme. Auch wenn sie auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, haben sie sehr wohl viele Gemeinsamkeiten, denn: In allen drei Bereichen wird immer mehr Funktionalität in Software abgebildet, in allen drei Bereichen ändern sich Funktionen sehr schnell und in allen drei Bereichen werden das Design und Testen von Geräten und Systemen immer komplexer.
elektro AUTOMATION: Ist letzteres der Grund, warum Sie auf der VIP 2018 vor allem die Bedeutung des Testens hervorhoben?
Jamal: Zunächst kann man feststellen, dass es zwischen automatisierten Maschinen und automatisierten Prüfständen sehr viele Parallelen gibt. Betrachten wir beispielsweise vernetzte industrielle Anlagen, produzieren diese große Mengen an Daten. Mit cleveren Analytik-Werkzeugen lassen sich Anlagen auf dieser Basis überwachen, Predictive Maintenance durchführen etc. Auf all diese Aspekte stoßen wir auch beim automatisierten Testen. Auch diese Systeme sind immer mehr vernetzt, auch hier fallen große Mengen an Daten an und auch hier braucht man clevere Analytik, um das Produkt – aber auch den Prüfstand selbst – zu überwachen und Predictive Maintenance zu ermöglichen. Einen Unterschied gibt es allerdings: Bei automatisierten Prüfständen dreht sich alles um Testdaten.
elektro AUTOMATION: Beide Bereiche können also von IoT-Technologien profitieren?
Jamal: Ja, wobei die Grundlage für jeden einzelnen automatisierten Prüfstand zunächst ein softwaredefinierter Ansatz mit einem hohen Grad an Modularität ist, das ist das A und O. Manche Testunternehmen vergessen dies gerne und reden mittlerweile nur über die Cloud. Ähnlich beim IoT: Es ermöglicht unter anderem eine verbesserte Verwaltung von Testsystemen, eine höhere Auslastung des Testequipments, bessere Einblicke in Testdaten und den Fernzugriff auf verteilte Testsysteme. Aber auch hier ist eine softwaredefinierte und hochgradig modulare Testplattform die Voraussetzung, damit Unternehmen die Möglichkeiten des IoT nutzen können, die den höchsten Mehrwert versprechen – ohne sich für alles oder nichts entscheiden zu müssen.





