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    SmartFactory-KL zur Bedeutung des Menschen in der Produktion
    Foto: Foto: Chenyu Jiang / Unsplash
    Industrie 4.0 & IIoT

    SmartFactory-KL zur Bedeutung des Menschen in der Produktion

    Die Technologie-Initiative SmartFactory-KL widerspricht vehement dem Eindruck, künstliche Intelligenz solle den Menschen in der Produktion ersetzen.
    Veröffentlicht
    01. Oktober 2021
    Lesezeit
    4 Minuten
    Rubrik
    Industrie 4.0 & IIoT

    „Roboter verbessern Prozesse nicht. Nur Menschen können Prozesse verbessern. Darum sollten sie immer im Mittelpunkt stehen,“ sagt Mitsuru Kawai, Vizepräsident und Fertigungschef von Toyota. Dieses Zitat stellt die Technologie-Initiative SmartFactory-KL an die Spitze eines Statements, um dem gängigen Eindruck zu widersprechen, KI solle den Menschen aus der Produktion verdrängen. Maschinen könnten sich nicht alleine weiterentwickeln, heißt es in der Stellungnahme. Völlige Automatisierung bedeute Stillstand.

    „KI ist schnell, aber nicht klug“

    Auch Künstliche Intelligenz (KI) werde nicht von sich aus immer schlauer. „KI sehen wir als erweiterte Intelligenz des Menschen“, sagt Prof. Martin Ruskowski, Vorstandsvorsitzender der SmartFactory Kaiserslautern. „KI ist schnell, aber nicht klug. Wenn ihr kein Mensch beibringt, was richtig und was falsch ist, dann bleibt sie im besten Falle stehen. Oder macht im Extremfall ihre Arbeit immer schlechter.“

    Ruskowski weiß die Sicht des SmartFactory KL e.V. aus der eigenen Arbeit heraus zu belegen. „Wir brauchen die Menschen in der Fabrik als Ideenmotoren, aber auch wegen ihrer handwerklichen Flexibilität. Deshalb setzen wir in unserer hochautomatisierten Demonstratorlandschaft zusätzlich auf Handarbeitsplätze.“ Das weitere Statement des SmartFactory-KL im Wortlaut:

    Fegt Industrie 4.0 die Fabrikhallen leer?

    Als vor zehn Jahren der Begriff Industrie 4.0 geboren wurde, definierten die Autoren einige Eckpunkte:

    „Ich entdecke da keinen Hinweis, dass in den Werkshallen das Licht ausgemacht werden soll, weil Maschinen ja nichts sehen müssen,“ sagt Ruskowski. „Leider wurde Industrie 4.0 aber oft falsch verstanden. Viel zu oft wird in Unternehmen auf rein technische Lösungen gesetzt. Dabei hat sogar Elon Musk, der Apologet der völligen Automatisierung, das als Fehler erkannt und sagte: ‚Die Menschen werden unterschätzt.‘“ Im Umkehrschluss heißt das, dass Maschinen und KI viel zu oft überschätzt werden.

    „Algorithmen sind ohne menschliche Reflektion auf Dauer hilflos“

    „Natürlich kann man fast alles automatisieren,“ bestätigt Ruskowski, „aber warum sollte man das tun? Bei uns heißt die Devise: Wir müssen nicht alles mit Robotern ausstatten, wenn der gleiche Mehrwert auch mit einfachen Mitteln zu erreichen ist.“ Vollautomatisierte Produktionslinien benötigen hoch komplexe Systeme, die viel Geld kosten, wenig flexibel sind und oft stillstehen, führt Ruskowski aus. Dazu kommt ein weiteres Argument aus Japan: „Eine solche Produktion würde für immer auf derselben Entwicklungsstufe verharren“, sagt Kawai. „Das ist bei Künstlicher Intelligenz im Prinzip genauso“, so Ruskowski weiter. „Wenn niemand genau hinsieht, was eine KI tut, dann werden weder Fehler auffallen, noch Optimierungspotentiale erkannt. Die Algorithmen sind ohne menschliche Reflektion auf Dauer hilflos und bleiben beschränkt.“

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    Aus Industrie 4.0 wird Production Level 4

    2019 hat die SmartFactory Kaiserslautern den Begriff Industrie 4.0 runderneuert und geschärft. Das Update taufte sie Production Level 4 (PL4). „Wir haben in unsere Vision technische Neuerungen wie KI-Methoden aufgenommen, aber auch die Rolle des Menschen in der Fabrikhalle neu definiert,“ sagt Ruskowski. Tatsächlich entwickeln Forscher*innen und Vereinsmitglieder aus der Industrie in der SmartFactory-KL gemeinsam flexible Produktionssysteme, die über Netzwerke und Datenplattformen technologie- und standortübergreifend auf Maschinenfähigkeiten (Skills) zurückgreifen können. So wird es möglich, dass sich Unternehmen (beziehungsweise die Produkte selbst) Fertigungswege nach Auftrag individuell konfigurieren.

    Auf „Marktplätzen“ wie Gaia-X werden von angeschlossenen Partnern Skills angeboten, die von anderen Firmen gebucht und zu neuen Produktionsabläufen zusammengestellt werden können. So soll maximale Resilienz gewährleistet werden, denn fällt eine Maschine aus, steht eine andere bereit. Auch die Flexibilität wird erhöht. „Doch keine Maschine wird in naher Zukunft so flexibel sein, wie der Mensch,“ erläutert Ruskowski. „Deshalb sind in unserer Shared Production, die wir derzeit auf drei Standorte verteilt in Kaiserslautern aufbauen, bewusst viele Handarbeitsplätze integriert.“

    Mensch und Maschine als perfektes Team

    „Mensch, Maschine, Software, so könnte man die Welt nennen, die wir derzeit entwickeln“, sagt Ruskowski. „Wir nehmen das Beste und kombinieren es neu. IT, OT und Mitarbeiter*innen bilden eine Produktionseinheit, in der der Mensch der Souverän ist und bleibt.“ Auch Mitsuru Kawai denkt in diese Richtung: „Wir setzen bei der weiteren Entwicklung unseres Unternehmens nicht auf Software oder Roboter, sondern immer nur auf unsere Mitarbeiter – auf ihre Fähigkeiten und guten Ideen.“

    Natürlich wird Toyota weiter automatisieren. Aber, fragt Mitsuru Kawai, seien Roboter nicht dazu da, dem Menschen zu helfen? Niemals sei die Automatisierung selbst das Ziel. „Wir müssen immer wieder den Mut haben, Dinge neu anzugehen. Dabei dürfen wir auch Fehler machen“, so Ruskowski. „Als Wissenschaftler argumentieren wir immer wieder mit Fakten gegen Vorurteile: Nein, KI wird uns nicht beherrschen, denn es liegt an uns, wie wir unsere Umwelt gestalten. Nein, Automatisierung führt nicht zu Arbeitsplatzabbau, dass zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre eindeutig. Ja, Mensch und Maschine sind ein tolles Team, mit dem Menschen als Chef.“

    Das Umdenken: Maschinen an Menschen anpassen

    Methoden der Künstlichen Intelligenz, wie beispielsweise Knowledge Graphen, versuchen sich der Denkweise des Menschen anzupassen, um bessere Ergebnisse zu liefern. Der Einsatz von KI bietet viele neue Möglichkeiten, wie die Optimierung der Interaktion zwischen Werker*in und Maschine. „Zukünftig passen wir die Maschine dem Menschen an, nicht umgekehrt. Maschinenbedienung funktioniert irgendwann so simpel wie ein Smartphone,“ betont Ruskowski. „Wir rücken die Mitarbeiter*innen mit ihren einmaligen Fähigkeiten ins Zentrum unserer Betrachtungen.“

    Inklusion wird zum Thema

    Das Implementieren von Handarbeitsplätzen in die Production Level 4 – Demonstratorlandschaft hat auch die Inklusion im Blick. Lichter oder Piktogramme leiten durch Produktionsprozesse, ohne dass aufwändiges Anlernen oder Sprachkenntnisse nötig sind. (os/eve)

    Technologie-Initiative SmartFactory KL e.V. Trippstadter Str. 122 67663 Kaiserslautern Tel.: 0049 631 20575 3401

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