Interview: Johannes Gillar, stellvertretender Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Schneider Electric stellt mit Ecostruxure Automation Expert ein neues softwarezentriertes, industrielles Automatisierungssystem vor, nach eigenen Angaben das erste seiner Art. Welchen Mehrwert bietet die Lösung den Kunden?
Silvia Tobajas: Der Ecostruxure Automation Expert ermöglicht eine herstellerunabhängige und objektorientierte Modellierung von automatisierten Prozessabläufen, die das Engineering deutlich erleichtert. Für Endanwender, Systemintegratoren und OEM-Kunden ist hier insbesondere von Bedeutung, dass heterogene Betriebskomponenten unterschiedlicher Anbieter zu nahtloser Kommunikation befähigt werden und sich mithilfe einer ereignisorientierten Modellierung nach IEC 61499 unkompliziert zu einer Prozess-Architektur verbinden lassen. Dies spart nicht nur Kosten und Zeit, sondern erleichtert auch die fehlerfreie Parametrierung von Prozessen. Da alle Softwareapplikationen einer Anlage oder Produktionslinie ohne zusätzlichen Aufwand per Mausklick auf beliebig vielen Steuerungen verteilt werden können, gestalten sich auch Umrüstungen oder Systemwechsel deutlich unkomplizierter. Die neue hardwareunabhängige Vorgehensweise lässt sich leicht in das offene und virtuelle Anwendungsdesign integrieren und ein automatischer Plausibilitätscheck gibt schon während der Modellierung Aufschluss darüber, ob die Verbindung zwischen verschiedenen Komponenten wirklich valide ist und real funktionieren kann. Auch eine Simulation der virtuell verbundenen Anlagenteile bietet wertvolle Informationen, die in der realen Anlage Schäden und Unfälle verhindern und Energieeffizienz und Produktionsleistung einer Linie erhöhen können.
elektro AUTOMATION: Zu den Vorzügen des Ecostruxure Automation Expert gehören die hardware-unabhängige Modellierung von Applikationen sowie die hardware-unabhängige Anwendung. Was muss man sich darunter genau vorstellen und welche Vorteile ergeben sich daraus?
Tobajas: Grundsätzlich geht es bei der Entkopplung von Soft- und Hardware um die Einführung einer übergeordneten, IT-basierten Automatisierungsschicht, die komplett losgelöst von Hardware- und Herstellerbindung gedacht werden kann. Hintergrund ist dabei eine Anlehnung an die Arbeitsweise der IT, die in Sachen Modellierung vor allem eventorientiert geleitet ist. Innerhalb dieser von der Hardware entkoppelten Automatisierungsschicht ist das Problem der Schnittstellenprogrammierung bereits gelöst, da der Automation Expert die Kommunikation zwischen den einzelnen OT-Komponenten eigenständig konfiguriert. Ein Programmierer kann sich damit also hauptsächlich mit der Etablierung eines offenen und flexiblen Anwendungsdesigns befassen, das aufgrund der Hardwareunabhängigkeit leicht angepasst und verändert werden kann. Die Modellierung erfolgt dabei mithilfe des sogenannten „single line engineerings“, bei dem sich einzelne Funktionsblöcke – die für die einzelnen OT-Komponenten stehen – rein grafisch und typisiert miteinander verbinden lassen: So können nur zueinander passende Blöcke kombiniert werden. Noch vor Inbetriebnahme erlaubt die Software dann eine Simulation der jeweiligen Funktionen und ihres Zusammenspiels, um wertvolle Erkenntnisse über die zukünftige Qualität des programmierten Prozessdesigns zu gewinnen.





