Die Verfügbarkeit von Speicherbausteinen hat sich zum dominanten Auswahlkriterium in der Elektronikentwicklung entwickelt und verdrängt dabei klassische Parameter wie technische Leistung oder Preis. Das ist das zentrale Ergebnis einer aktuellen Studie des Bauelemente-Distributors MEMPHIS Electronic GmbH aus Bad Homburg. Laut der Umfrage haben 95 Prozent der befragten Hersteller ihre Beschaffungsentscheidungen, ihr Produktdesign oder ihre langfristige Planung als direkte Reaktion auf die anhaltenden Marktverwerfungen im Speichersegment angepasst.
Für die industrielle Automatisierung ist dieser Befund von unmittelbarer Relevanz. Embedded-Speicher – ob Flash, DRAM oder SRAM – sind integraler Bestandteil von SPS-Systemen, Edge-Computing-Modulen, Industrie-PCs, Bildverarbeitungseinheiten und IIoT-Gateways. Lieferengpässe auf Komponentenebene schlagen sich damit direkt in verlängerten Lieferzeiten für fertige Automatisierungskomponenten nieder, verzögern Anlagenmodernisierungen und erhöhen den Kostendruck entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Die Studie beschreibt einen strukturellen Wandel: Hardware-Designer müssen bereits in frühen Entwicklungsphasen Verfügbarkeitsprognosen in ihre Bauteilauswahl einbeziehen. Das führt in der Praxis zu sogenanntem Design-for-Availability – einem Ansatz, bei dem Schaltungsarchitekturen von vornherein Alternativkomponenten oder pin-kompatible Substitutionsbausteine berücksichtigen. Für die Steuerungs- und Antriebstechnik bedeutet das konkret: Hersteller evaluieren mehrere Sourcingoptionen parallel, qualifizieren alternative Speichertypen frühzeitig und bauen strategische Pufferbestände auf.
Langfristig zeichnet sich eine Verschiebung in der Lieferkettenstruktur ab. Regionale Beschaffungsstrategien gewinnen an Bedeutung, da die starke Abhängigkeit von asiatischen Speicherproduzenten – allen voran Samsung, SK Hynix und Micron – im Zuge der Pandemie und nachfolgender Nachfrageschübe als Risikofaktor deutlich sichtbar wurde. Distributoren wie MEMPHIS positionieren sich dabei als Puffer und Beratungspartner, der Markttransparenz und Alternativsourcing kombiniert.
Für Maschinenbauer und Automatisierungstechnik-Anbieter ergibt sich daraus eine operative Konsequenz: Die enge Abstimmung zwischen Einkauf, Entwicklung und Lieferanten muss früher im Produktlebenszyklus beginnen. Wer Speicherverfügbarkeit erst bei der Serienfreigabe prüft, riskiert Verzögerungen, die gesamte Fertigungslinien ausbremsen können. Die MEMPHIS-Studie liefert damit einen datengestützten Beleg für einen Trend, den viele Einkaufs- und Entwicklungsverantwortliche in der Branche bereits aus der Praxis kennen.
Quelle: presseportal Themen: Industrie – https://www.presseportal.de/pm/183630/6371471





