Auf der Hannover Messe 2026 demonstrierten voraus robotik und Dell Technologies gemeinsam eine Roboterzelle, die das klassische SPS-Konzept durch eine softwaredefinierte Automatisierungsplattform ersetzt. Die gezeigte Anlage verzichtet vollständig auf konventionelle speicherprogrammierbare Steuerungen und verlagert die Steuerungslogik in eine KI-fähige Softwareschicht – ein Ansatz, der in der Branche zunehmend als 'Software-Defined Automation' diskutiert wird.
Im Kern der Lösung steht die Automatisierungsplattform von voraus robotik, die Maschinenlogik, Ablaufsteuerung und KI-Inferenz in einer einheitlichen Softwareumgebung zusammenführt. Statt dedizierter Hardware-SPS übernehmen industrietaugliche Recheneinheiten die Echtzeitsteuerung. Dell Technologies stellt dafür mit seinem industriellen Rechenportfolio sowie dem Zero-Touch-Bereitstellungsframework NativeEdge die Edge-Infrastruktur bereit. NativeEdge ermöglicht die zentral verwaltete, automatisierte Ausrollung von Software-Instanzen auf Fertigungsebene – ein wesentlicher Faktor für die Skalierung solcher Architekturen auf mehrere Produktionsstandorte.
Praktisch relevant ist der vorgelagerte Simulationsansatz: Hersteller können Automatisierungsabläufe zunächst in einem digitalen Workflow testen, validieren und optimieren, bevor die physische Inbetriebnahme erfolgt. Dieser Schritt reduziert typischerweise Integrationsaufwand und Stillstandzeiten während der Anlaufphase. Laut Hannover-Messe-Bericht führte das Verfahren zu schnellerer Entwicklung und Bereitstellung, höherem Durchsatz sowie deutlich reduzierten Ausfallzeiten und Integrationskosten.
Aus steuerungstechnischer Sicht markiert die Demonstration einen konzeptionellen Bruch mit der etablierten Pyramidenarchitektur, in der SPS als eigenständige Hardwarekomponente zwischen Feldebene und übergeordneten IT-Systemen vermittelt. Die softwaredefinierte Variante konsolidiert diese Schichten und schafft direktere Datenpfade – was einerseits die Latenz reduzieren kann, andererseits neue Anforderungen an Echtzeit-Betriebssysteme, deterministische Netzwerkkommunikation (etwa TSN) und funktionale Sicherheit nach IEC 61508 stellt. Wie voraus robotik diese sicherheitstechnischen Aspekte konkret adressiert, geht aus der vorliegenden Quellenbeschreibung nicht hervor.
Der Trend weg von proprietären SPS-Plattformen hin zu softwarebasierten Steuerungsansätzen wird unter anderem durch Initiativen wie die Software-Defined Machine Control (sdm) des VDMA oder Open Process Automation (OPA) vorangetrieben. Die Kooperation von voraus robotik und Dell Technologies reiht sich in diese Entwicklung ein und zeigt, dass das Konzept inzwischen demonstrationsfähig auf Zellenebene umgesetzt werden kann. Für Automatisierungsplaner stellt sich damit konkret die Frage, unter welchen Randbedingungen – Zykluszeiten, Sicherheitskategorie, Kommunikationsprotokoll – ein SPS-Ersatz durch eine KI-Softwareplattform heute bereits produktionsreif ist.
Quelle: Hannover Messe News – https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/ki-gesteuerte-fertigung-ohne-herkoemmliche-sps





