Dr. Bertolt Gärtner, President & CEO, TÜV Süd Atisae, Madrid
Agil auf Marktanforderungen reagieren zu können und selbst in Kleinserien noch wirtschaftlich automatisiert zu produzieren, darin liegt das strategische Potenzial von Industrie 4.0. Bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) gingen die Investitionen im IT-Sektor zuletzt jedoch zurück. Ein Viertel aller deutschen Unternehmen drohe, bei der Digitalisierung den Anschluss zu verlieren. Ein knappes Drittel gelte gar als „digitale Nachzügler“ . Das zeigt die Studie „Beyond the Hype: Which Companies Are the Real Champions of Building the Digital Future“ der Boston Consulting Group (BCG), für die rund 700 Befragte aus Deutschland und den USA den digitalen Reifegrad ihrer Unternehmen eingeschätzt haben. Grundlage der Studie ist der Digital Acceleration Index (DAI) von BCG, der auf einer Selbsteinschätzung des digitalen Reifegrades von Unternehmen in 27 Digital-Dimensionen basiert. Unternehmen mit einem DAI von 67 bis 100 DAI-Punkten werden als Vorreiter, von weniger als 43 als Nachzügler verstanden.
Um Industrie 4.0 effektiv zu nutzen, müssen alle Unternehmensbereiche konsequent digitalisiert und vernetzt werden. Zielführend ist dabei eine umfassende Gesamtstrategie, mit der sich der Prozess strukturieren und jederzeit nachvollziehen lässt. Hier setzt der Industrie 4.0 Maturity Index an. Ein Zusammenschluss deutscher Unternehmen und Forschungseinrichtungen hat das Modell unter Leitung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) entwickelt. TÜV Süd hat dazu sein Wissen um funktionale und industrielle IT-Sicherheit eingebracht. Der Anspruch war, einen Leitfaden zu entwickeln, mit dem Unternehmen erst ihren Status quo feststellen und dann passgenaue Maßnahmen entwickeln können, um den optimalen Industrie 4.0-Status zu erreichen. Ergebnis ist ein multidimensionaler Index, der die gesamte Wertschöpfungskette umfasst. Experten begleiten die Anwendung, und das Unternehmen behält stets den Überblick über den Transformationsprozess.
Klar strukturierter Aufbau
Das mehrstufige, modulare Modell bezieht sich, neben Produktion, Logistik, Verkauf und Marketing, auch auf Forschung und Entwicklung. Die Anwendung erfolgt in drei Phasen: In Zusammenarbeit mit dem Unternehmen beginnt ein Expertenteam mit einer Bestandsaufnahme und ermittelt den aktuellen Stand der Digitalisierung. Auf dieser Basis formulieren die Unternehmensverantwortlichen in der zweiten Phase die zugehörigen Ziele. Gemeinsam identifizieren die Experten die Lücken und leiten konkrete Maßnahmen ab. Nach Berechnung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses steht dem Unternehmen eine digitale Roadmap zur Verfügung, die konkrete Schritte vorgibt – in einem festen Zeitplan. Entscheidend ist, dass jede Einzelmaßnahme einen messbaren Nutzen hat.





