Peter Scharf, Industriemanagement Gebäudetechnik & Energieeffizienz, Phoenix Contact Deutschland GmbH, Blomberg
Wer an das Skispringen denkt, hat zuerst die großen internationalen Veranstaltungen vor Augen. Diese werden unter anderem auf den Großschanzen in Oberhof, Oberstdorf oder Innsbruck ausgetragen. Die Skisprunganlage in Oberstdorf liegt am östlichen Ortsrand von Oberstdorf unterhalb des Schattenbergs. Errichtet wurde die Großschanze 1950 und danach mehrfach umgebaut. Die letzten Modernisierungen fanden 2017 statt. Seit 1953 richtet Oberstdorf dort das Auftaktspringen zur Vierschanzentournee aus. Neben diesen Schanzen gibt es in Oberstdorf noch eine der größten Skiflugschanzen der Welt mit einer Hillsize von 235 m und einem Schanzenrekord von 242,5 m. Der Sprungturm an sich ist 72 m hoch. Die Anlauflänge für die Springer beträgt 118 m bei einer Anlaufneigung von 38,7°. So lässt sich eine Geschwindigkeit von bis zu 108 km/h erzielen.
Vielfältige Herausforderungen
Die Weite eines Sprungs wird von der Kante des Schanzentisches bis zum Punkt der Landung gemessen. Dabei befindet sich der Sportler je nach Schanzengröße etwa 4 bis 9 s in der Luft. Mit Hilfe der Videotechnik ist es möglich, Trainer und Sportler mit Videoaufnahmen und objektiven Daten zu unterstützen, dass eine Optimierung der Sprungleistung möglich ist:
Die ccc software gmbh in Leipzig hat gemeinsam mit dem Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT) eine ausgeklügelte Lösung geschaffen, die inzwischen sowohl stationär als auch mobil eingesetzt wird. Als mittelständischer IT-Dienstleister und Softwareentwickler erarbeitet ccc software seit 1990 moderne Konzepte und Softwareprodukte für verschiedene Branchen. Im Hochleistungssport werden beispielsweise Plattformen und Videosysteme zur Trainingsoptimierung und Wettkampfsteuerung angeboten. Die entsprechenden Multikamerasysteme sind jeweils auf die individuellen Anforderungen der Kunden zugeschnitten. Das 1992 gegründete IAT fungiert als zentrales Forschungsinstitut des deutschen Spitzen- und Nachwuchsleistungssports mit Sitz in Leipzig.
Automatisches Auslösen von Lichtschranken und Kameras
Für die mobile Nutzung an Sprungschanzen stellten sich die IAT-Mitarbeitenden aus dem Team von Dr. Sören Müller, Fachgruppenleiter Skispringen/Nordische Kombination im Fachbereich Kraft-Technik, ein Videoanalysesystem vor. Dieses sollte Geschwindigkeitsmessungen und Aufnahmen aller relevanten Phasen eines Skisprungs vornehmen können. Ziel war es, den Trainern und Athleten sofort nach dem Sprung über ein Infosystem Videos zur Verfügung zu stellen. Damit soll das Training effektiv unterstützt werden. Des Weiteren lassen sich mit den Aufnahmen biomechanische Analysen zur Körper- und Skihaltung in Form von Anstellwinkeln zur Flugbahn ermitteln. Das IAT-Team sprach sich dabei für eine ganzheitliche, moderne und zukunftssichere Hard- und Softwarelösung aus, welche im Training und bei Wettkämpfen ganzjährig eingesetzt werden kann. Während eines anderen Projekts in Oberstdorf entstand die Idee, wie sich der Wunsch in die Wirklichkeit umsetzen lässt: Verwendung von Lichtschranken, Triggern der Kameras sowie Steuerung des Systems durch eine SPS von Phoenix Contact. Dabei steht der Trainer oder Sportwissenschaftler in diesem Szenario mit einem Mobile Client – zum Beispiel einem Laptop – an der Schanze. Nachdem er dem Sportler die Freigabe zum Sprung erteilt hat, startet die Kameraaufnahme automatisch. Sie löst jeweils bei der Durchfahrt des Springers durch eine Lichtschranke aus. Nach Ende des Sprungs wird die Videoaufnahme automatisch beendet und auf einem Server gespeichert. Der Trainer/Sportwissenschaftler erhält dann nach etwa 20 s einen automatischen Zusammenschnitt der seitlichen Perspektiven als Video. Er ist somit zeitnah über den Sprungverlauf informiert und kann dem Athleten sofort ein Feedback geben.





