Interview: Frank Würthner, Branchenmanagement Verpackungstechnik, Beckhoff Automation GmbH & Co. KG, Verl
1. PC-basierte Steuerungstechnik lässt sich vernetzen 2. IoT und Industrie 4.0 verlangen leistungsfähige Steuerungstechnik 3. Skalierbarkeit erleichtert flexiblen Maschinenbau 4. Automatisierungssoftware sorgt für Durchgängigkeit 5. Servo-Antriebstechnik auch für das Lebensmittelumfeld 6. Innovationspotenzial für den Verpackungsmaschinenbau
Frank Würthner (Beckhoff): Welche besonderen Anforderungen stellt der Bau von Verpackungsanlagen speziell an die Maschinenautomatisierung?
Claus Botzenhardt (Multivac): Die Anforderungen an Verpackungslösungen sind ebenso vielschichtig wie die Märkte, die wir adressieren. Ich möchte hier beispielhaft die Hygieneanforderungen der Lebensmittelverpackungsindustrie nennen oder auch die Anforderungen der Medizingüterindustrie, die sich nicht zuletzt durch die neu in Kraft getretene MDR (Medical Device Regulation) weiter verschärft haben. Ein Stichpunkt in diesem Zusammenhang ist die Norm CFR21 Part 11, die sich auf die Prozessvalidierung in der Medizingüterindustrie bezieht. Die individuellen Anforderungen der unterschiedlichen Märkte müssen deshalb durch unsere vollautomatisierten Linien erfüllt werden. Hieraus resultieren auch im Bereich der einzusetzenden Robotik oder Vision-Systeme branchenspezifische Anforderungen, die von uns als Maschinenhersteller gleichsam zu erfüllen sind. Deshalb ist es aus unserer Sicht zielführend, dass die Steuerungstechnik, die wir einsetzen, eine hohe Varianz aufweist und ohne signifikanten Mehraufwand auf die branchen- und kundenspezifischen Anforderungen ausgelegt werden kann.
PC-basierte Steuerungstechnik lässt sich vernetzen
Würthner: Inwiefern liefert die PC-basierte Automatisierungstechnik hierfür eine gute Grundlage?
Botzenhardt: Grundsätzlich bietet PC-basierte Technik eine optimale Anbindbarkeit an die unterschiedlichsten IT-Systeme. Ebenso können die Steuerungen einfach mit übergeordneten Systemen vernetzt werden. Damit bieten sie auch eine Grundlage für die einfache Entwicklung von IoT-Lösungen. Darüber hinaus ermöglicht das Betriebssystem eine Hardwareunabhängigkeit, was den Plattformwechsel enorm vereinfacht, da die Software beibehalten werden kann. Weiterhin ermöglicht PC-basierte Technik den Einsatz von HMIs mit Standardtechnologien wie z. B. HTML5, CSS und JavaScript. Zudem können die PLC und das HMI gemeinsam auf einem Gerät betrieben werden. Die PC-basierte Steuerungstechnik bietet im Vergleich zu SPS-Lösungen wesentlich performantere Plattformen mit enormen Leistungsreserven und damit verbunden eine hohe Skalierbarkeit. Durch die Software-PLC ist es möglich, genau die IPC-Hardware auszuwählen, die für die Applikation notwendig ist. Eine Anpassung der Software an die IPC-Hardware ist dagegen nicht erforderlich. Hierdurch können enorme Effizienzgewinne erzielt werden. Darüber hinaus können wir uns mit der PC-basierten Steuerungstechnik auf unsere Kernkompetenz als Anlagen- und Maschinenbauer, nämlich die Entwicklung von marktgerechten Verpackungslösungen für unsere Kunden, fokussieren. Ein weiterer Vorteil ist die Zukunftsfähigkeit von PC-based Control, die insbesondere darauf basiert, dass vorhandene Steuerungssoftware einfach auf neue IPC-Systeme appliziert werden kann.





