Die Branche der Messtechnik und Prozessautomatisierung verzeichnet im laufenden Jahr ein moderates, aber stabiles Wachstum. Laut einer Mitgliederabfrage des ZVEI-Fachbereichs Prozessautomation sind sowohl die globalen Auftragseingänge als auch die Umsätze der Branche zwischen Januar und September 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum im niedrigen einstelligen Prozentbereich gestiegen. Das Bild ist jedoch regional und branchenseitig sehr differenziert.
Auf der Abnahmeseite profitiert die Prozessautomation aktuell besonders stark von der Dynamik im Bereich Energieerzeugung – ein Segment, das der ZVEI unter dem Begriff 'Electrical Energy Generation' fasst und zu dem auch Rechenzentren zählen. Der stark gestiegene Strombedarf durch KI-Infrastruktur und Hyperscaler-Projekte schlägt sich damit direkt in der Nachfrage nach Mess-, Regel- und Automatisierungstechnik nieder. Daneben entwickeln sich auch die klassischen Abnehmerbranchen Öl und Gas, Wasser und Abwasser sowie Pharma positiv und stützen das Gesamtergebnis.
Regional zeigen Nord- und Südamerika, der Nahe Osten, Afrika sowie Indien die stärkste Wachstumsdynamik. Auch in Teilen Asiens – außerhalb Chinas – ist die Nachfrage gestiegen. Der chinesische Markt hingegen stagniert, wie bereits im Vorjahr 2025. Die Gründe liegen einerseits in der schwächelnden inländischen Industrieproduktion, andererseits im fortgesetzten Trend chinesischer Anlagenbetreiber, lokale Anbieter zu bevorzugen – ein Strukturproblem, das europäische Hersteller von Automatisierungskomponenten direkt trifft.
Deutschland und Europa insgesamt stabilisieren sich laut ZVEI auf einem niedrigen Niveau. Besonders hierzulande ist die Lage durch strukturelle Herausforderungen geprägt: Die energieintensive Chemieindustrie sowie Branchen wie Papier- und Zellstoffherstellung kämpfen weiterhin mit hohen Energiekosten und gedämpfter Investitionsbereitschaft. Investitionen in neue Prozessanlagen oder Modernisierungen werden vielerorts zurückgestellt, was die Nachfrage nach Feldgeräten, Durchflussmessern, Drucktransmittern und zugehöriger Steuerungstechnik dämpft.
Für Hersteller von Prozessautomatisierungslösungen – ob Feldgeräte, verteilte Steuerungssysteme (DCS), Safety-Instrumented-Systems (SIS) oder IIoT-fähige Sensorsysteme – bedeutet die Lage eine klare strategische Botschaft: Wachstum ist 2026 vor allem dort zu erzielen, wo Investitionszyklen intakt sind. Rechenzentren und Energieinfrastruktur bieten dabei kurzfristig die attraktivsten Opportunitäten, während das klassische Prozessgeschäft in Europa eine langfristigere Erholungsperspektive erfordert.
Das moderate Branchenwachstum bestätigt einen Trend, der sich bereits 2025 abgezeichnet hat: Die Prozessautomation ist kein homogener Markt mehr, sondern fragmentiert sich zunehmend nach Abnehmerbranchen und Geografie. Für Anbieter und Anwender gleichermaßen wird es wichtiger, die eigene Marktpositionierung entlang dieser Segmente zu schärfen – sei es durch applikationsspezifische Lösungen für die Energiewirtschaft oder durch lokalisierte Angebote für Wachstumsmärkte in Asien und dem Nahen Osten.
Quelle: ZVEI Pressebereich – https://www.zvei.org/presse-medien/pressebereich/prozessautomation-zvei-erwartet-fuer-2026-erneut-leichtes-wachstum





