Die Integration von Feldgeräten über große Distanzen bleibt eine der klassischen Herausforderungen in der Prozess- und Förderanlagentechnik. Schotterwerke, Steinbrüche oder Schüttgutanlagen zeichnen sich durch weitläufige Transportbandstrecken aus, die oft mehrere hundert Meter überspannen. Herkömmliche Verdrahtungskonzepte stoßen hier schnell an wirtschaftliche und technische Grenzen. Das Actuator-Sensor-Interface (ASi) adressiert genau dieses Problem: Als Zweidraht-Bussystem überträgt es sowohl die Betriebsspannung als auch Daten über ein einziges Profilkabel.
Beim Neubau eines Schotterwerks hat die Lukas Gläser GmbH Co. KG diesen Ansatz konsequent umgesetzt. Laut Bihl+Wiedemann, dem Mannheimer ASi-Spezialisten, kommen dort ASi, ASi Safety, ASi-5 sowie IO-Link zum Einsatz. Das entscheidende Merkmal der Lösung: Safety-, Standard- und IO-Link-Signale werden gemeinsam über ASi-Profilkabel geführt – eine Parallelverkabelung für unterschiedliche Signalklassen entfällt damit weitgehend.
Für die Vernetzung der sicherheitsgerichteten Steuerungsbereiche der einzelnen Anlagenteile nutzt die Installation die Bihl+Wiedemann-Funktion Safe Link. Diese erlaubt es, mehrere ASi Safety-Gateways in einer übergeordneten Sicherheitsarchitektur zu koppeln, ohne dass jeder Anlagenteil eine eigene, isolierte Sicherheitssteuerung betreiben muss. Damit lassen sich funktionale Sicherheitsanforderungen gemäß IEC 62061 bzw. EN ISO 13849 über verteilte Standorte hinweg wirtschaftlich abbilden.
ASi-5, die aktuelle Protokollgeneration des ASi-Standards, erweitert die klassischen binären Signalstrukturen um deutlich höhere Datenraten und die Fähigkeit, IO-Link-Geräte nahtlos einzubinden. IO-Link selbst – standardisiert nach IEC 61131-9 – liefert über die reinen Prozesswerte hinaus strukturierte Gerätediagnose- und Parameterdaten. Im Schotterwerk Gläser fließen diese Informationen in ein zentrales Leitwartenkonzept ein, das eine übergreifende Überwachung und Analyse der Anlagenzustände ermöglicht – Grundvoraussetzung für eine zustandsorientierte, vorausschauende Wartung (Predictive Maintenance).
Marktstrategisch steht dieser Anwendungsfall exemplarisch für einen breiteren Trend: Die Hersteller von Feldbus- und IO-Systemen dringen zunehmend in Branchen vor, die traditionell durch einfache Schütz- und Relaistechnik geprägt waren. Anlagentypen wie Schotterwerke, Förderanlagen oder Materialtransportinstallationen gelten als wachsendes Segment für durchgängige Digitalisierungskonzepte, weil dort Stillstandskosten hoch und Wartungsintervalle schwer planbar sind. Die Kombination aus reduziertem Kabelaufwand, integrierter Sicherheitstechnik und Diagnosefähigkeit adressiert genau diesen wirtschaftlichen Schmerzpunkt.
Für Anlagenbauer und Systemintegratoren im Bereich Schüttgut, Bergbau und Intralogistik zeigt das Beispiel, dass ASi-basierte Architekturen auch bei großen Streckenlängen als praktikable Alternative zu Profibus- oder Profinet-Installationen mit dezentraler Peripherie in Betracht kommen – vorausgesetzt, die Topologie erlaubt die typische Linien- oder Baumstruktur des ASi-Netzes.
Quelle: Bihl+Wiedemann Presse – https://www.bihl-wiedemann.de/de/unternehmen/news/newsletter/sichere-analogwerte-prozessdaten-zuverlaessig-ueberwachen-und-uebertragen-1026





