In der industriellen Automatisierung gilt der Actuator-Sensor-Interface-Bus (ASi) seit Jahrzehnten als bewährtes Protokoll für die unterste Feldebene. Dennoch bleibt die Diagnose von Übertragungsfehlern in ASi-Netzwerken in vielen Anlagen reaktiv – Probleme werden erst sichtbar, wenn Stillstände oder Ausschuss entstehen. Bihl+Wiedemann adressiert diesen Umstand mit einem erweiterten Diagnosekonzept, das auf mehrere parallele Kommunikationspfade setzt.
Laut Herstellerangaben lassen sich Diagnosedaten bei aktuellen Gateways des Mannheimer Unternehmens direkt über den ASi-Bus, aber auch via OPC UA, REST-API, das Gateway-Display sowie einen integrierten Webserver abrufen. Die Mehrkanal-Strategie ist aus Sicht der Systemintegration relevant: OPC UA ermöglicht die direkte Anbindung an übergeordnete SCADA- oder MES-Systeme, während die REST-API den Zugriff aus Cloud-nativen Applikationen und Edge-Computing-Umgebungen erleichtert – ohne proprietäre Middleware.
Die Diagnosefunktionen sind Bestandteil der Software-Tools ASIMON360 und ASi Control Tools360, die Bihl+Wiedemann kostenfrei bereitstellt. Nach Unternehmensangaben ist bei aktuellen Gateway-Generationen keine zusätzliche Hardware erforderlich, was den Total Cost of Ownership-Aspekt für Maschinenbauer und Anlagenbetreiber unterstreicht. Der wirtschaftliche Hebel liegt insbesondere in der Inbetriebnahmephase: Freigabemessungen mit automatisch generierten PDF-Prüfberichten sollen Abnahmeprozesse beschleunigen und Nachrüstaufwände beim Endkunden reduzieren.
Technisch gliedert sich der Diagnoseprozess laut Hersteller in vier definierte Schritte – vom initialen Netzwerk-Check bis zum finalen Prüfbericht. Erkannte Fehlerbilder umfassen Verdrahtungsfehler, Kontaktprobleme und defekte Komponenten. Statt generischer Fehlercodes setzt Bihl+Wiedemann auf Klartextbeschreibungen mit konkreten Handlungsempfehlungen, was die mittlere Reparaturzeit (MTTR) senken kann – ein Faktor, der in der OEE-Betrachtung produzierender Betriebe direkt wirksam wird.
Marktstrategisch ist die Öffnung des ASi-Ökosystems in Richtung OPC UA und REST bemerkenswert. ASi konkurriert auf der Feldebene mit IO-Link, PROFINET-basierter Direktverdrahtung und zunehmend mit drahtlosen Ansätzen. Die Integration standardisierter Datenschnittstellen ist eine Antwort auf den Druck, Felddaten ohne Medienbruch in Industrie-4.0-Architekturen verfügbar zu machen. Für Maschinenbauer, die ASi-basierte Baugruppen in IIoT-fähige Anlagen integrieren müssen, reduziert dies den Aufwand für individuelle Datenintegration spürbar.
Die kontinuierliche Hintergrundüberwachung – zyklische Diagnosen ohne Eingriff in Steuerung oder Kommunikation – entspricht dem Paradigma der zustandsorientierten Instandhaltung (Condition Monitoring), das sich von der Prozessindustrie zunehmend in die diskrete Fertigung ausbreitet. Ob ASi-Netzwerke dabei tatsächlich als Datenbasis für prädiktive Wartungsszenarien genutzt werden, hängt von der Auswertetiefe der angebundenen Systeme ab – die infrastrukturelle Voraussetzung schafft Bihl+Wiedemann mit diesem Ansatz jedoch.
Quelle: Bihl+Wiedemann Presse – https://www.bihl-wiedemann.de/de/unternehmen/news/newsletter/qualitaetssicherung-durch-fehlerfreie-signaluebertragung-in-maschinen-und-anlagen-0925





