Der taiwanische Leistungselektronik-Konzern Delta hat am Standort Soest ein neues Forschungs- und Entwicklungszentrum offiziell eröffnet. Das nach LEED-Gold-Standard errichtete Gebäude umfasst rund 7.500 Quadratmeter Laborfläche sowie 2.500 Quadratmeter Bürofläche und bietet Kapazität für bis zu 250 Mitarbeitende. Die Investition richtet sich laut Unternehmensangaben auf die Hannover Messe News gezielt auf hocheffiziente Stromversorgungslösungen für KI- und High-Performance-Computing-Rechenzentren sowie auf Anwendungen in der Elektromobilität.
Im Mittelpunkt der Entwicklungsarbeit stehen konkret 800-VDC-Servernetzteile sowie 4-in-1-Stromversorgungssysteme für Elektrofahrzeuge. Die Wahl der 800-Volt-Gleichspannungsebene für Server-Infrastrukturen ist dabei kein Zufall: Mit steigender Chip-Leistungsdichte – aktuelle KI-Beschleuniger wie Nvidias H100 oder GB200 dissipieren pro Rack deutlich mehr Wärme und ziehen höhere Ströme – stoßen konventionelle 48-VDC-Architekturen an ihre Grenzen. Höhere Busspannungen reduzieren Übertragungsverluste und ermöglichen kompaktere Designs, was Effizienz und Rack-Dichte gleichzeitig verbessert.
Aus Marktsicht ist das Timing der Investition nachvollziehbar: Der globale Markt für Rechenzentrum-Stromversorgungen wächst durch KI-Workloads überproportional. Analysten verschiedener Marktforschungshäuser prognostizieren für dieses Segment zweistellige jährliche Wachstumsraten bis 2030, getrieben durch den Ausbau großer Hyperscaler-Kapazitäten und den Einstieg industrieller Anwender in KI-gestützte Fertigungsprozesse. Für Automatisierer ist dieser Trend relevant, weil leistungsfähigere und effizientere Stromversorgungsarchitekturen letztlich auch in industrielle Edge-Computing-Umgebungen und KI-gestützte Steuerungssysteme einfließen.
Delta Energy Systems, die europäische Tochtergesellschaft des Delta-Konzerns, betreibt Soest bereits seit Jahren als Entwicklungsstandort. Dr. Peter Ide, Geschäftsführer der Delta Energy Systems, wurde in der Pressemitteilung zur strategischen Bedeutung des Standorts zitiert. Mit dem Neubau signalisiert das Unternehmen, dass es die Entwicklungstiefe in Europa ausbauen und die gestiegenen Anforderungen an Testverfahren – bedingt durch höhere Leistungsdichten – mit dedizierten Laborumgebungen abdecken will.
Für die industrielle Automatisierungsbranche ergibt sich daraus ein indirekter, aber wachsender Bezug: Energieeffiziente Stromversorgungskonzepte, die im KI-Rechenzentrum erprobt werden, finden ihren Weg in industrielle Steuerungsarchitekturen, Antriebssysteme und Edge-Gateways. Die Konvergenz von IT- und OT-Infrastruktur macht Leistungselektronik zu einem zunehmend strategischen Baustein auch in der Fertigungsautomatisierung.
Quelle: Hannover Messe News – https://www.hannovermesse.de/de/news/news-fachartikel/ki-boom-erfordert-neue-antworten





