elektro AUTOMATION: Auf der SPS IPC Drives 2018 wurde die Verantwortung für die Standardisierung rund um das Thema Time-Sensitive Networking (TSN) in Verbindung mit dem M2M-Kommunikatonsprotokoll OPC UA mehr oder weniger an die OPC-Foundation deligiert. Wie beurteilen Sie diesen Schritt?
Dr. Oliver Kleineberg (Belden): Grundsätzlich begrüßen wir diesen Schritt. Hirschmann Automation and Control GmbH ist eines der Gründungsmitglieder der OPC-UA-FLC-Initiative (Field Level Communication) und arbeitet aktiv an diesen Spezifikationen mit. Alleine an dem umfangreichen Teilnehmerfeld der FLC-Initiative ist ersichtlich, dass ein großer Teil der Automatisierungswelt gemeinsam ein universelles, interoperables Ökosystem zur industriellen Kommunikation etablieren will. Dies ist etwas, das von vielen Kunden als notwendiger Schritt gesehen wird, um die Automatisierungswelt fit für die Zukunft zu machen.
elektro AUTOMATION: Bleibt die aufgrund der Anzahl an Unternehmen bislang treibende ‚Shaper-Gruppe‘ dem Thema verbunden oder löst sie sich auf?
Dr. Kleineberg: Die so genannte Shaper-Gruppe, zu der auch Hirschmann Automation and Control GmbH zählte, ist in der OPC-UA-FLC-Initiative aufgegangen. Es war immer ein erklärtes Ziel der Shaper, die Spezifikation von OPC UA und TSN unter dem Dach einer in der Industrie akzeptierten, neutralen und weltweit tätigen Organisation voranzutreiben. Mit der Gründung der FLC-Initiative in der OPC Foundation ist dieses Ziel erreicht, und die Shaper setzen ihre Arbeit, zusammen mit allen anderen Mitgliedern der FLC-Initiative, unter dem Dach der OPC Foundation fort.
elektro AUTOMATION: Das Zeug zu einem echten Industrie-4.0-Kommunikationsstandard hat OPC UA over TSN – wird es diesen auch ‚auf die Straße‘ bringen können oder erleben wir nach Feldbussen und Industrial-Ethernet-Systemen zum dritten Mal eine Zunahme proprietärer Kommunikationsprotokolle für die Industrie 4.0?
Dr. Kleineberg: Einer der Gründe für die so genannten ‚Feldbuskriege‘ war die Tatsache, dass die grundlegende Kommunikation – also beispielsweise das Zeitverhalten – noch ein Differenzierungsmerkmal war. Mit OPC UA und TSN bis auf die Feldebene ist die technologische Basis der Kommunikation, inklusive der Echtzeitfähigkeit, standardisiert und auf breiter Basis verfügbar. Die Differenzierung findet in Zukunft voraussichtlich auf der Ebene der Anwendungsprotokolle statt und andere Aspekte wie Einfachheit der Benutzung und Gebrauchstauglichkeit werden an Bedeutung gewinnen. Wir werden also nicht einen weiteren Feldbuskrieg erleben, sondern ein Aufblühen eines Marktes, der bislang stark zersplittert und für Kunden nur schwer navigierbar war.
elektro AUTOMATION: OPC UA over TSN hat sich in den Testbeds als noch leistungsfähiger erwiesen als erwartet. Gleichzeitig hat im November 2018 die OPC Foundation eine Initiative gestartet, OPC UA einschließlich TSN für den Einsatz bis in die Feldebene zu ertüchtigen. Ist damit die Aussage hinfällig, dass sich OPC UA over TSN gut für die Kommunikation und Synchronisierung von Fertigungszellen bis hinauf in die ERP-Ebene eignet, in der Fertigungszelle selbst aber leistungsfähigere Feldbus- beziehungsweise Industrial-Ethernet-Systeme zum Einsatz kommen müssen?





