Thomas Weimann, Leiter Unternehmenskommunikation bei E-T-A Elektrotechnische Apparate GmbH in Altdorf
1. Weshalb Leitungsschutzschalter ungeeignet sind 2. Selektive Absicherung sichert die Verfügbarkeit 3. Lange Zuleitungen sind ein Problem
In modernen Produktionsanlagen kommt eine Vielzahl elektronischer Komponenten zum Einsatz. Steuerungen und Antriebe regeln komplexe Prozesse und sorgen für eine hohe Produktivität in der Fertigung. Diese Elektronik-Komponenten benötigen jedoch in aller Regel eine 24-VDC-Steuerspannung. Die dazu eingesetzten Schaltnetzteile bieten Nennströme zwischen 10 und 40 A. Eine Besonderheit dieser getakteten Stromversorgungen liegt darin, dass sie den Ausgangsstrom bei Überlast begrenzen. Wird der Maximalstrom erreicht, schaltet das Netzgerät vom Spannungs- in den Stromregelmodus. Solche Netzgeräte sind üblicherweise in der Lage, nur kurzzeitig einen 1,5-fachen Nennstrom zur Verfügung zu stellen. Beim Überschreiten dieses Grenzwertes, etwa bei einem Kurzschluss oder in einem Überlastfall, regelt das Netzteil die Ausgangsspannung deshalb automatisch herunter. Das führt zum sogenannten Hiccup-Verhalten, bei dem das Netzgerät zyklisch zwischen den beiden Zuständen wechselt.
Die häufig zur Absicherung solcher Stromkreise eingesetzten Leitungsschutzschalter sollten deshalb durch einen elektronischen Überstromschutz ersetzt werden. Ein Leitungsschutzschalter kann den Strom weder begrenzen noch kann er im Fehlerfall auslösen. Da das Schaltnetzteil in den Eigenschutz geht, bricht die 24-VDC-Versorgung komplett zusammen und die angeschlossene Elektronik fällt aus.
Dies sind die beiden wesentlichen Gründe, warum Konstrukteure bei der Verwendung von Netzgeräten im Sekundärkreis auf jeden Fall Leitungsschutzschalter durch elektronische Sicherungen ersetzen sollten. Besonders zu beachten ist, dass dieses Verhalten zu einem Spannungseinbruch an allen angeschlossenen Verbrauchern führt. Die Unterbrechung der Versorgung betrifft somit alle Verbraucher und nicht nur den vom Kurzschluss betroffenen Pfad. Die Auswirkungen auf die Prozesssicherheit sind in diesem Fall beträchtlich.
Weshalb Leitungsschutzschalter ungeeignet sind
Es gibt bei Schutzschaltern verschiedene Wirkprinzipien. Thermische Schutzschalter sind prädestiniert für Überlastsituationen. Thermisch-magnetische Schutzschalter sorgen ebenfalls für eine optimale Absicherung in Überlastsituationen. Gleichzeitig eignen sie sich auch bei Kurzschlüssen. Schutzschalter mit einem magnetischen Anteil reagieren schneller und unterbrechen einen fehlerhaften Stromkreis bei Kurzschluss nahezu ohne Verzögerung. Da sich jedoch Verbraucher wie kapazitive Lasten oder Motoren durch hohe Einschaltströme auszeichnen, kann auch die magnetische Auslösung die Anforderungen der selektiven Absicherung in 24-V-Kreisen nicht optimal erfüllen.





