Olaf Wilmsmeier, Business Development Manager RFID bei Harting in Espelkamp
Jeder Hersteller von Produkten will möglichst eigene Produktvorteile generieren und eine Vermischung mit anderen Technologien bzw. Produkten von anderen Herstellern erschweren oder vermeiden. Dieser Satz ist spätestens seit dem verstärkten Bestreben, systemübergreifende Mehrwerte zu generieren, in dem die Informationen über die Systemgrenzen ausgetauscht werden, falsch. Ohne diesen systemübergreifenden Austausch ist die nächste Stufe der Automatisierung nicht zu erreichen. Der Industrie-4.0-Gedanke, aber auch schon die IoT-Philosophie setzt auf Interoperabilität von Einzelsystemen.
Dennoch muss festgehalten werden, dass insbesondere in der Auto-ID-Branche, die eine der Basistechnologien für den automatisierten Austausch von Informationen mit Objekten darstellt, die Interoperabilität bisher vernachlässigt wurde. Zumindest was die Datenkommunikation der Lese-/Schreibeinheiten angeht. Beispielsweise kann kaum ein Rechner-System oder eine SPS mit einem RFID-Reader von Hersteller X kommunizieren, nur weil es bereits den Reader des Herstellers Y ansprechen kann. Noch nicht einmal die Basisfunktionen, wie das Erkennen einer neuen ID, lassen sich verwenden. Bei einer Vermischung unterschiedlicher Auto-ID-Technologien, also z. B. Barcode mit RFID, sieht es nicht besser aus.
Wenn die Interoperabilität bei der Integration von Basistechnologie zur Realisierung der Verschmelzung von realen Objekten und Prozessen mit der IT-Welt schon ins Stocken gerät, kann das Ziel Industrie 4.0 nur mit deutlichen Umwegen erreicht werden. Im Jahr 2014 war dies die Motivation der Mitglieder des AIM-D-Arbeitskreises Systemintegration. Harting und Siemens brachten damals den Stein ins Rollen, mit der Idee eine einheitliche Kommunikationsschnittstelle für Auto-ID-Geräte auf Basis von OPC UA zu spezifizieren. Dieser Vorschlag wurde vom gesamten Arbeitskreis aufgegriffen – schnell stand fest, eine OPC Unified Architecture (OPC UA) Companion Specification für Auto-ID-Geräte soll definiert werden. Hierin sollen die Basisfunktionen der einzelnen Auto-ID-Technologien wie RFID, 2D- und 3D-Code-Erkennung, OCR und RTLS abgebildet werden. Hiermit soll die Integration von Auto-ID-Technologien vereinfacht bzw. beschleunigt werden.
Der Standard OPC UA
OPC UA ist heute eine der zukunftsweisenden Technologien zum Aufbau einer Kommunikationsschicht, welche auch in der RAMI-Spezifikation (der Industrie-4.0-Spezifikation) referenziert wird. Mit der Standardisierung in der IEC-Norm 62541 wurde im Jahr 2009 das Kommunikationsprotokoll OPC UA als neuer De-facto-Standard in der Automatisierungsbranche eingeführt. Alle führenden Automatisierungshersteller stehen bereits hinter OPC UA. Dank des objektorientierten Ansatzes von OPC UA können besonders leicht herstellerspezifische Eigenschaften der einzelnen Geräte erhalten bleiben, ohne dass der Standard verletzt wird.





