Interview: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Herr Hoppe, die Kombination aus OPC UA als M2M-Protokoll mit TSN für die Deterministik bietet in der Automatisierungstechnik einiges Potenzial. Warum?
Stefan Hoppe (OPC Foundation): Die OPC Foundation sieht in der Field-Level-Communications-Initiative die Chance, mit einem einzigen Transport (OPC UA) von der Feldebene ohne Medienbrüche in die IT-Welt und Cloud zu kommunzieren – und dabei alle Anforderungen der industriellen Automatisierung abzudecken. Das schließt explizit für die Fabrikautomatisierung auch die deterministische Übertragung, aber auch Motion und funktionale Safety mit ein – auch wenn nicht alle davon in der Prozess-Automatisierung erforderlich sind. Deswegen nennt sich die Gruppe auch nicht ‚OPC-UA-TSN-Gruppe‘, sondern wir haben sie mit ‚Field Level Communications Initiative including TSN‘ bezeichnet. TSN spielt also eine wichtige Rolle – aber auch andere Transporte wie 5G bieten sich an. Die sehr stark vereinfachte Beschreibung ist also: Mit OPC UA vom Sensor bis in die Cloud, und wenn Determinismus benötigt wird, ‚aktiviert‘ man die Option ‚mit TSN‘. Am ersten technischen Kick-off-Meeting in München haben bereits 90 Teilnehmer aus 28 Unternehmen teilgenommen – das Interesse ist hoch.
elektro AUTOMATION: Sie betonen im Zusammenhang mit OPC UA vor allem die Bedeutung des Informationsmodells – könnten Sie das etwas näher erläutern?
Hoppe: Erfreulicherweise stellen wir fest, dass das Interesse an der Modellierung von Systemen deutlich anzieht. Dahinter steht die Erkenntnis, dass zunehmend ‚Informationen‘ entscheidend sind – reine Daten reichen also nicht aus; man benötigt neben der Beschreibung der Daten auch die Bedeutung und Fähigkeiten (Dienste) eines Produktes oder eines Systems. Oder um es anders zu formulieren: Für das Internet of Things (IoT) brauche ich Beschreibungen der Dinge, eine Bibliothek. Ich bin der Meinung, dass diese Bibliothek als ‚Sparte industrielle Kommunikation‘ bei der OPC Foundation entstehen wird – denn eine der entscheidenden Stärken von OPC UA ist, dass wir damit eine universelle Kommunikationsplattform für standardisierte Informationsmodelle nutzen können. OPC UA ist also weniger ‚nur‘ ein Protokoll, sondern vielmehr ein Framework für industriellen robusten Informationsaustausch.
elektro AUTOMATION: Will heißen: Je mehr Produkte oder Geräte miteinander vernetzt werden und miteinander kommunizieren können, desto wichtiger wird eine Art ‚Sprache‘, auf deren Basis sich die Daten nutzen lassen?
Hoppe: Exakt – OPC UA ermöglicht den semantischen interoperablen Informationsaustausch und die Interaktion über Dienste. Das gilt insbesondere dann, wenn in einer intelligenten Vernetzung jedes Gerät oder jeder Dienst eigenständig eine Kommunikation zu anderen Diensten initiieren kann. Aufgrund der Zusammenarbeit von PLCopen und OPC Foundation haben wir etwa erreicht, dass auf die Datenstrukturen eines SPS-Programmes – selbst wenn es auf verschiedenen Steuerungen verschiedener Hersteller ausgeführt wird – ein semantisch identischer Zugriff möglich ist. Letztlich ist die Standardisierung der Semantik die eigentliche Herausforderung von Industrie 4.0. Neben der Frage der Datennutzung vereinfacht sich dadurch übrigens auch das Engineering einer Anlage ganz erheblich – ein wichtiger Zusatzpunkt.





