Das Interview führte Andreas Gees, stv. Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Herr Schmutte, Wago ist einer der ersten Anbieter, der Linux auf seinen Controllern einsetzt. Was sind die Gründe für die Einführung?
Rainer Schmutte (Wago): Wir unterstützen alle gängigen Feldbussysteme im Bereich Factory- und Gebäudeautomation sowie Energie- oder Prozesstechnik einschließlich der Subsysteme. Aber Offenheit betrifft nicht nur die Hardware, sondern auch das Engineering. Mit Linux ermöglichen wir es den Anwendern, von der Offenheit dieses Ökosystems zu profitieren. Als wir vor Jahren auf Linux gesetzt haben, war die Offenheit des Systems für die Entscheidung ausschlaggebend. Vielleicht waren wir mit der Hochsprachen-Programmierung der Zeit voraus, heute zeigt sich jedoch, dass der Schritt äußerst sinnvoll war. In Zukunft wird die Zahl der Hochsprachen-Programmierer im Produktionsumfeld weiter zunehmen, und Linux ist ideal für die Anforderungen der Automatisierung geeignet. Das betrifft nicht nur die klassische Maschine, sondern erschließt auch viele weitere Märkte.
elektro AUTOMATION: Linux bietet sehr viele Möglichkeiten bei der Programmierung und bei Laufzeitsystemen. Erklären Sie uns die Docker-Technologie und welche Vorteile der Betrieb von Apps in einzelnen Containern bietet?
Schmutte: Docker ist eine Open-Source-Software zur Isolierung von Anwendungen mit Container-Virtualisierung. Der Einsatz von Docker-Containern in Embedded-Geräten bietet unseren Kunden die Möglichkeit, gerade im Engineering-Prozess bzw. in einer frühen Phase ihre Projekte zu testen und in Betrieb zu nehmen, um letztendlich entscheiden zu können, ob die Funktionalität des Containers die Anforderungen der Applikation erfüllt. Eine weitere Herausforderung besteht darin, die verfügbaren Ressourcen des Controllers zu nutzen. So kann schon im Engineering-Prozess geprüft werden, welche Ressourcen die Anforderungen der Applikation erfüllen. Gerade im Entwicklungsprozess einer Serienmaschine lässt sich diese Möglichkeit sehr gut nutzen. Die Wago Controller PFC200 der 2. Generation unterstützen die Docker-Technik, ihr Vorteil liegt darin, sehr effiziente Lösungen zu schaffen.
elektro AUTOMATION: ‚Automation meets IT‘ wird Realität. Das gilt für neue Projekte ebenso wie für die große Zahl bestehender Installationen, die von Industrie 4.0 und IoT profitieren können. Wo sehen Sie den Bedarf für IoT- und Industrie-4.0-Lösungen, etwa beim mittelständischen Maschinenbau?
Schmutte: Industrie 4.0 ist längst nicht bei jedem Maschinenbauer angekommen. Die MES-Anbieter gehen zurzeit davon aus, dass mehr als 60 % aller Maschinen in Deutschland nicht digitalisiert sind. Wer mit der Datenerfassung an Maschinen und Anlagen beginnen möchte, kann dazu die Technik von Wago nutzen. Wir bieten mit der Wago IoT-Box eine vorkonfigurierte Datenerfassungslösung bestehend aus Optokopplern, IO-Modulen und einem Controller. Wenn wir über ‚Automation meets IT‘ sprechen, meinen wir zuerst die Nachrüstung von IoT-Lösungen an der Maschine. Der Maschinenbauer selbst ist an einer solchen Lösung interessiert. Er kann so Prozesssteuerung und Datenerfassung voneinander trennen. Das ist deshalb wichtig, weil der Standard-Steuerungsprozess nicht beeinträchtigt werden darf. Um sich dem Thema anzunähern, um beispielsweise mit vorbeugender Wartung Geld zu verdienen, muss der Maschinenhersteller Daten erfassen. Mit unseren Lösungen ist es möglich, diese Aufgabe einfach und schnell zu lösen. Auch für den Endanwender können sich neue Geschäftsmodelle ergeben. Das Nachrüsten der Hardware stellt einen effizienten Weg dar. Unser Controller bietet die Option, über einen zentralen Punkt alle Daten zu erfassen und für die Cloud bereitzustellen.





