Interview: Michael Corban, Chefredakteur elektro AUTOMATION
elektro AUTOMATION: Single Pair Ethernet – kurz SPE – wird häufig als Industrie-4.0-Bus beschrieben. SPE selbst liefert aber nur die Infrastruktur für die Industrial-Ethernet-Kommunikation, kein eigenes Protokoll?
Ralf Moebus (Lapp): SPE definiert die physikalische Ebene der Kommunikation, ohne sich auf ein Datenformat festzulegen. Dem Anwender wird diese Wahl ja bewusst offen gelassen. Die Bezeichnung Industrie-4.0-Bus adressiert deshalb vor allem den Punkt, dass es mit SPE nun wesentlich effizienter möglich ist, Komponenten aller Art im Feld anzubinden. Das liegt vor allem an der Reduzierung der Aderzahl von 8 auf 2, wodurch die Kabel günstiger werden. Gleichzeitig bedeutet das aber auch, dass es sich jetzt anbietet, Geräte ins Netzwerk zu integrieren, bei denen das aus Kostengründen bislang nicht erfolgt ist. Damit komme ich an zusätzliche Daten sehr viel einfacher heran – ganz im Sinne der Industrie 4.0. Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto mehr erfahre ich zu laufenden Prozessen und kann diese damit optimieren.
elektro AUTOMATION: Welche weiteren Vorteile bietet die SPE-Infrastruktur?
Moebus: Zum einen das Thema Gewichtsreduzierung – das spielt neben der Automobilindustrie in allen mobilen Anwendungen eine wichtige Rolle, unter anderem auch bei fahrerlosen Transportsystemen oder in der Robotik. Letztendlich reduziert sich damit die bewegte Masse, so dass der CO2-Fußabdruck sinkt. Und weil weniger Kupfer benötigt wird, sinken die Kosten. Zum anderen ist in industriellen Anwendungen vor allem der geringere Installationsaufwand ein entscheidender Vorteil. Typischerweise findet das ja im Feld statt – 2 anstelle von 8 Adern anzuschließen, geht schlicht schneller, das ist einfache Mathematik. Außerdem sinkt dabei die Fehleranfälligkeit. Das geringe Gewicht kommt übrigens auch hier der möglichen Dynamik zugute.
elektro AUTOMATION: Können Sie das kurz erläutern?
Moebus: Verbunden mit dem geringen Gewicht ergibt sich ja eine leichtere, damit aber auch platzsparende und wesentlich dünnere Leitung. Die lässt sich leichter beziehungsweise mit mehr Dynamik bewegen, etwa in Schleppketten. Möglicherweise kann die Kette in der Summe auch kleiner werden und ein dünnes Kabel mit nur 2 Adern ermöglicht auch einen geringeren Biegeradius. Die innere Komplexität einer SPE-Leitung ist deutlich geringer mit nur einem Aderpaar; es lässt sich viel einfacher biegen, ohne dass es beschädigt wird. Bei 4 Paaren entsteht schon deutlich mehr Reibung. Generell fördert dies den Bau kleinerer Anlagen – hilfreich vor allem bei Platzmangel. Vorteile ergeben sich übrigens gerade beim Einsatz in Energieketten auch bezüglich der Langlebigkeit.





